Sonderaufgaben und der Nachrichtensicherheitsdienst
für die Offiziere und Fähnriche des SAS und Chiffrierdienstes!
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Aus der DV 040/0/001 abgeleitete Verpflichtung aller Nachrichtenzentralen
eine Kontrollzentrale/-stelle zur Einhaltung der Nachrichtensicherheit
zu errichten und betreiben. Aufgaben lt. DV 040/0/001 Pkt. 243 und 244
sowie DV 040/0/014 Pkt. 4 d.
Und die durch den Stellvertreter des Ministers und Chef Nachrichten des Hauptstabes festgelegte
- Nachrichtenordnung - die Ordnung 040/9/200 befiehlt die Fernsprechüberwachung.

Je nach personeller Ausstattung und zu überwachender Kanäle wurden
Offiziere und Fähnriche, mit hohen Geheimhaltungseinstufung,
und die des SCD mit der Aufgabe beauftragt.

Die Überwachung der S1 Gespräche, der Fernmeldeanschlüsse
der Deutschen Post und der Anschlußteilnehmer des SAS - Fernsprechnetzes!

Die Offiziere und Fähnriche hatten einen gesonderten Raum ,z.B. innerhalb der
SAS und Chiffrierzentrale, in dem sich die Klinkenfelder für die S1 Lei-
tungen, des öffentlichen Fernmeldenetzes der Dienststelle und ein extra
Klinkenfeld für SAS - Fernsprechteilnehmer befand.
Die Trennung der Klinkenfelder ist notwendig um ein Übersprechen
zu vermeiden! (kompromittierende elektromagnetische Abstrahlung)
Es erfolgte über der entsprechenden Klinke eine optische Signalisation
wenn die entsprechenden Leitungen genutzt wurden.

Dieser Personenkreis wurde entsprechend verpflichtet:
Zur Klarstellung! Da es mir selber geschehen ist! Die Angehörigen des SAS und Chiffrierdienstes in den Diensträngen: gehören nicht zu dem Personenkreis der Abhörmaßnahmen durchführte oder durchführen
durfte da dies auch in den DV 040/0/010 des SCD verboten war, jegliche Fernmelde-
oder SAS - Fernsprechgespräche abzuhören! Die DV 040/0/010 benannte
die Dienstranggruppen Offiziere und Fähnriche für diese Tätigkeit!

Protokoll der Fernsprechüberwachung in der 9.PD BStU*177
Erläuterungen nach dem Auszug aus dem Protokoll.
    NATIONALE VOLKSAMREE                     O.U., den 25.05.1989
      9.PANZERDIVISION                       Vertrauliche Verschlußsache
Stellvertreter des Stabschef/                --------------------------------
    Leiter Nachrichten                       VVS-Nr.: F/1 61137
-----------------------------                02. Ausfertigung = 04 Blatt

Bestätigt:
-----------
Stellvertreter des Kommandeurs und           XXXXXXXXX
Stabschef der 9.PD                           Oberst

       Auswertebericht der Fernsprechüberwachung im
                      I. AHJ 1988/89
       =============================================

1. Allgemeine Einschätzung
   ------------------------
   Die Fernsprechüberwachung wurde im I.AHJ 1988(89 durch
   den OO SCV auf der Grundlage der Ordnung Nr. 040/9/200
   -Nachrichtenordnung- des Stellvertreters des Ministers
   und Chef des Hauptstabes, organisiert und durchgeführt.
   Es wurden  insgesamt 485 Gespräche  überwacht  und  5
   Verstöße festgestellt.
   Es   muß   eingeschätzt   werden,   daß   sich   die
   Gesprächsdisziplin gegenüber dem vorangegangenen
   Berichtszeitraum nicht gebessert hat.

2. Einhaltung der Regeln der gedeckten Truppenführung bei
   der Nutzung offener Fernsprechverbindungen
   ---------------------------------------------------------
   Es  traten  keine  Verstöße  gegen  die Regeln  der gTF
   auf. Insgesamt muß jedoch eingeschätzt werden, daß den
   Erfordernissen  des  Geheimnisschutzes  bei  der  Nutzung
   offener Fernsprechverbindungen durch die Nutzer, zu wenig
   Beachtung geschenkt wird.  Hauptargument der Nutzer: Der
   Informationsaustausch  wächst stetig an und alles  über
   Fernschreib-    und    Kurierverbindungen    abzuwickeln,
   bedeute  eine  zu  große  Zeitverzögerung.  Es besteht
   somit   die   Möglichkeit,  aus    einzeln    geführten
   Gesprächen Schlußfolgerungen auf   Gesamtzusammenhänge
   zu ziehen.
   Die        Nutzung         der       stationären    SAS-
   Fernsprechverbindungen für den gedeckten   Informations-
   austausch ist ungenügend.
   Die  Einflußnahme  auf Verstöße Unterstellter während
   der Gesprächsführung ist nicht ausgeprägt.

3. Gesprächsdisziplin
   -------------------
   offenen   Fernsprechverbindungen  kann nicht befriedigen.
   Das    Führen   von   Hintergrundgesprächen   ist   ein
   ständiger Mangel, der in  allen Bereichen auftritt.  Die
   Normative  der  Gesprächsdauer  werden  insbesondere  in
   den Bereichen TB/RD/Polit überschritten.

4. Regeln  des   Führens   von   Privatgesprächen  in  das
   öffentliche Fernmeldenetz
   ---------------------------------------------------------
   Der  Anteil  an  Privatgesprächen  hat sich erhöht. Das
   Vermittlungspersonal  ist  kaum noch in der Lage, die Ge-
   sprächsanmeldungen zeitgerecht zu bearbeiten.  Privatge-
   spräche sind in der Regel von langer Zeitdauer,  so daß
   wichtige  S-1/Anschlüsse  blockiert werden. Zur Führung
   von   Privatgesprächen  werden  häufig  Anschlusse  der
   Diensthabenden   mißbraucht.   Das  trifft  insbesondere
   beim  HdNVA  Eggesin   sowie   beim   Diensthabenden  des
   Med.- Punktes NB-9 zu.

5. Einhaltung  der  Regeln  des   Fernsprechbetriebsdienstes
   durch die Betriebskräfte
   ---------------------------------------------------------
   Die  Regeln  des  Fernsprechbetriebsdienstes werden durch
   die Betriebskräfte eingehalten.

6. Typische Verstöße durch die Nutzer
   ------------------------------------
   - Führen von Hintergrundgesprächen begünstigt das
     Abfließen geheimzuhaltender Informationen.
   - Tarnzahlen werden im  S-1 - Netz nicht konsequent
     angewendet, der angerufene  Teilnehmer meldet  sich
     ordnungsgemäß mit Tarnnamen/Tarnzahl, der anrufende
     dann mit Dienstgrad und  Namen und nach gegenseitigem
     Erkennen wird mit dem persönlichen Namen
     weitergesprochen.
   - Es werden immer wieder Rückfragen zu Fernschreiben
     getätigt, die deren Inhalt aufdecken.
   - Die   Normative für die Gesprächsdauer  von
     Ferngesprächen wird häufig überschritten, es
     kommt zu typischen Redudanzerscheinungen.
   - Bei Dienstgesprächen mit Teilnehmern der
     Dienststellen in Karpin werden die Bestimmungen
     über Sicherheit und Geheimhaltung gänzlich außer
     acht gelassen.

Erläuterungen:

OO SCV = Oberoffizier SAS- und Chiffrierverbindungen
gTF    = gedeckte Truppenführung
         das schließt ein: Tarnnamen, Tarnzahlen,
         Codebücher und der Nutzung des SAS- und
         Chiffrierdienstes

Die Fernsprechüberwachung wurde .. durch den OO SCV .. organisiert und durchgeführt.

In den Unterlagen der BStU Neubrandenburg sind reichlich dieser Fernsprech-
überwachungen vorhanden. Diese Zeugen von fehlender Kenntnis der gTF.
Es wurde in den vorliegenden Auswerteberichten, z.B. über die Kompro-
mittierung von Verschlüsselt gesendeten Fernschreiben durch Ferngespräche
über Inhalte von diesen Fernschreiben berichtet.
Es wurde fernmündlich ein Fernschreiben angekündigt und gleichzeitig
der Inhalt des Fernschreibens durchgegeben.


Berichterstattung gegenüber dem MfS Abt. XI und der HA I

Aus der Verpflichtung ersichtlich sind die Meldungen über persönliche
Veränderungen, Kontakte und dergleichen. Siehe DV 040/0/010 III/3 bis
III/8 und DV 040/0/015 III/2 bis III/7.
Desweiteren die Meldungen die durch die Leiter der SAS und Chiffrier-
stellen an den Chef Nachrichten des MfNV gegeben werden wurde auch
durch die Abt. XI des MfS gesichtet.
Die HA I des MfS wurde von der Abt. XI beauftragt in Auswertung
der o.g. Meldungen Personenüberprüfungen und Kontrollen durchzuführen.
Die Abt. 2000 des MfS (Militärabwehr) setzte auch bei entsprechenden
Erkenntnissen die Abt. XI und der HA I in Kenntnis, was in der Regel zu
weiteren Aktivitäten der Abteilungen führte.

IM im SAS und Chiffrierdienst der NVA

Das MfS hatte bei Feldlagern, Übungen, Transporten etc. nicht immer
die Möglichkeit den SAS und Chiffrierdienst zu kontrollieren bzw.
überwachen. Hier wurden die Leiter der SAS und Chiffrierdienststellen
und auch Leitende und nichtleitende Mitarbeiter des SAS und Chiffrier-
dienstes zu IM Tätigkeiten angehalten und Bericht zu erstatten.
Die Berichte enthalten Fehlverhalten, besondere Vorkommnisse aber auch
politische Einschätzungen der Mitarbeiter. Diese konnten im Ergebnis
von Bestrafungen bis zur Entpflichtung der Betroffenen führen.
Dokumenten hierzu sind zu finden in der BStU Dokumente: Abt. XI
Band 902, Band 903 und Band 992.
Dienstanweisung 1969 des MfS bis Dienstanweisung 1984 des MfS.
Lageeinschätzung 1989

Im Dokument *111 der BStU werden die Aufgaben und Forderungen an
die IM/GMS und IMS/GMS im Chiffrierdienst konkret aufgezählt:

Unter Beachtung der im Zusammenhang mit dem befristeten Wehrdienst
stehenden natürlichen Fluktuationen von jährlich ca. 25 % des IM/
GMS-Bestandes in Sicherungsbereichen der NVA, wird seit 1987 mit
der Sicherung des Ersatzbedarfs an IM/GMS vorrangig auf die Er-
ziehlung weiterer qualitativer Veränderung im IMS/GMS-Bestand orien-
tiert. Davon ausgehend sind vor allem solche IM/GMS zu schaffen, die
- fähig und in der Lage sind, aufgetretene chiffrierbezogene
  Vorkommnisse und operativ bedeutsame Erscheinungen dieser Art
  sachlich und rechtlich richtig einzuschätzen und zu bewerten so-
  sie die ersten Maßnahmen zur Beseitigung der Ursachen und be-
  günstigenden Bedingungen einzuleiten,

- über Kontrollbefugnisse verfügen und ihre dienstlichen Aufgaben
  relativ eigenständig planen können,

- mit wertvoller operativer Perspektive die Gewähr bieten, unsere
  Diensteinheiten bei der Sicherung des Verantwortungsbereiches
  auf längere Zeit zu unterstützen,

- unter den NVA-Angehörigen im Wehrdienstverhältnis GWD und UaZ
  wirksam werden können.

---

Durch die geplante Erweiterung der IM-Basis, insbesondere im Wohn- und
Freizeitbereich der Geheimnisträger, sind positive Entwicklungen festzu-
stellen.

---

Erhöhung des IM-Bestandes in den Schlüsselpositionen für das
Gerätesystem T-230.

---

Abteilung XI                            Rostock, 30.11.88          BStU*298

Qülle: IM Toni
angen.: Ofw. Blendow
am:     31.11.88

Nachrichtensammelmeldung (21.5. - 20.11.88)

Einschätzung der gedeckten Truppenführung im Nachrichtenwesen:

Durch die Angehörigen des SAS/Chiffrierdienstes des Stabes, AGS der
43. FRBr. und der FRAG 431 wurden die militärischen Grundsatzvor-
schriften im Berichtszeitraum eingehalten und durchgesetzt.
Der Betriebsdienst wurde entsprechend den Vorschriften organisiert,
durchgeführt und nachgewiesen.
Die spezialfachliche Ausbildung wird lt. Rahmenprogramm für die
Gefechtsausbildung der Kräfte des SAS- und Chiffrierdienstes der LSK/LV
in allen drei Chiffrierstellen durchgesetzt. Reserven in der Aus-
bildung gibt es in der FRAG 431 und auf dem AGS. Bewährt hat sich
die zentrale Ausbildung 2 x monatlich im Stab und die monatlichen
Kontrollen in den einzelnen Chiffrierstellen.
Die halbjährlichen Vollzähligkeitskontrollen durch die AG SuG der
3. LVD ergaben die Vollzähligkeit der VS, Schlüsselmittel, Petschafte
und Sonderstempel.
Verstöße gegen die Betriebsdienstvorschriften und DV 040/0/015 gab
es keine. Der Wartungszustand der Technik in allen Chiffrier-
stellen mit gut eingeschätzt. Die festgestellten Mängel lt. Kon-
trollbericht wurden abgestellt bzw. wurden diese bis zum geforderten
Termin erfüllt.

Durch die Angehörigen des SAS- und Chiffrierdienstes sowie durch die
Nutzer technischer Nachrichtenmittel des Stabes, des AGS, der
43. FRBr. und der FRAG 431 wurden keine Verstöße gegen die Regeln
der gTF verursacht.

Ergebnisse von Fernschreib- und Fernsprechüberwachung im Zeitraum,
vom 21.5. - 20.11.88 lt. Plan der Organisation und Kontrolle der
Nachrichtensicherheit der 43. FRBr. für das II. AHJ:

FS-Überwachung: 62 h     Fe-Überwachung: 25 h

Verbindungsnummer     Technische Sicherstellung
70000 - 13501                Stab:  2 x M-125
73000 - 13502                FRAG:  1 x M-125
73200 - 13301                AGS:   2 x M-125
73202 - 13301                       3 x T-219.
73200 - 13207
73230 - 13201
73230 - 13202
73230 - 13203                gez. Toni

Einleitung zu dem Themenkreis Nachrichtensicherheitsdienst:
In der Gegenwart wird die Arbeit des Nachrichtensicherheits-
dienstes nicht erwähnt. Ursachen liegen im falschen Verständ-
nis der eigentlichen Arbeit dieser zu schaffenden Einheit.
Im Bericht des IME ist genau ersichtlich, so man will,
wer als Gegenspieler und Boykotteur auftritt.
Es fehlte von Anfang an die offene und ehrliche Kommunikation
der Erfordernisse dieses Dienstes.
Das Betrifft insbesondere das MfNV deren Haltung entsprechend
des IME Berichtes sich eindeutig darstellt.
Die Möglichkeit Mängel und ewige Provisorien zu beseitigen,
hat man mit der Diskussion, es ginge nur um das Abhören und
Hinterherschnüffeln, auch Dank der mangelhaften Arbeit der
HA I, ZCO, vollkommen aus dem Blick verloren.
Viele IM Berichte beurkunden die Frustration.
Beredtes Zeugnis sind die Vorträge der BVfS-Abt. XI die in
den Dienststellen der VM gehalten wurden und leider zu wenig
Vermitteln der Notwendigkeiten der Nachrichtensicherheit.

Probleme zur Führung der Prozesse der Nachrichtensicherheit,        BStU*317
erreichter Stand, Befähigung der Kräfte, Wirksamkeit von Maß-
nahmen und Kontrollen                                     

Auf der Grundlage der AG 25 des Stellvertreters des Chefs und Chef
des Stabes werden jährlich die Pläne Nachrichtensicherheit der
Abteilung Nachrichten und der Verbände und Truppenteile der VM
erarbeitet. Die Pläne Nachrichtensicherheit beinhalten Maßnahmen
zur Gewährleistung und Einhaltung der Forderungen der Nachrichten-
sicherheit.
Diese Maßnahmen umfassen:
- die Auswertung und Analysen von Angaben über Möglichkeiten aus-
  ländischer technischer Aufklärungsdienste;
- Durchsetzung von Befehlen, Dienstvorschriften, Grundsatz-
  dokumenten u. a. zur Gegenwirkung ausländischer technischer
  Aufklärungsdienste auf dem Gebiet der Nachrichtensicherheit;
- Organisation der Sicherheitskontrolle bei der Nutzung von
  SAS- und Chiffriergeräten, von Maßnahmen der Funktarnung
  und Einhaltung der Forderungen der gedeckten Truppenführung;
- Kontrolle der Realisierung festgelegter zu kontrollierender
  Zonen komplexer eingesetzter technischer Nachrichtenmittel
  in den Nachrichtenzentralen und -objekten;
- Feststellung demaskierender Merkmale und Kanäle des mög-
  lichen Abflusses geheimer Angaben bei der Nutzung von
  Nachrichtensystemen und -mitteln;
- Kontrolle der vorschriftsgemäßen Installation von Nachrich-
  tentechnik aller Art.

Zur effektiven Lösung der Aufgaben der Nachrichtensicherheit
und zur Durchsetzung der zentralen Schaltorganisation in der
Volksmarine wurde mit Wirkung vom 01.12.1987 auf Grundlage
der Anordnung Nr. 1/87 des Chefs Nachrichten der Volksmarine
eine nichtstrukturmäßige Einheit Nachrichtensicherheit mit
folgenden Strukturelementen gebildet:
(1) Leiter ENS
    Oberoffizier Nachrichtensicherheit (Führung NR-18)
(2) Stellvertreter des Leiters ENS
    Stellvertreter des Kommandeurs des NBB/NR-18 für SAS-
    und Chiffriertechnik
(3) Leiter Anwenderkabinett Rechentechnik
    Kabinettleiter des NBB/NR-18
(4) Kontroll-/Überwachungsgruppe Nachrichtensicherheit des
    NBB/NR-18
    - Truppführer
    - Oberbetriebsmechaniker
    - Betriebsmechaniker/Kraftfahrer mit Kraftomnibus I.1
(5) Funküberwachung des NBB/NR-18
    - Leiter Funkbetriebsdienst
    - Funkbetriebsaufsicht
    - Funkbetriebsaufsicht/Kraftfahrer mit Funküberwachungs-
      gerätesatz (1 K, A)
(6) Schaltbefehlsstelle
    - Schalttechniker (eingesetzt als Leiter)
    - Bearbeiter
    - 3. Operateur

Die Einheit Nachrichtensicherheit hat den Status eines selbst-
ständigen Zuges und ist in der Abteilung Nachrichten KVM inte-
griert und der Unterabteilung SCD zugeordnet. Der Leiter ENS
ist dem Leiter der Arbeitsgruppe SAS-Verbindungen/Ausbildung
unmittelbar unterstellt.
Der Einsatz der Strukturelemente Kontroll-/Überwachungsgruppe
Nachrichtensicherheit und Funküberwachung erfolgt auf der Grund-
lage des Planes der Nachrichtensicherheit der Volksmarine.
Auf Grundlage eines durch den Chef Nachrichten bestätigten
Funktionsverteilungsplanes sind für die fachliche Anleitung
und Kontrolle verantwortlich:
- in der Kontroll-/Überwachungsgruppe Nachrichtensicherheit
  der Leiter der Arbeitsgruppe SAS-Verbindungen/Ausbildung;
- in der Funküberwachung
  der Leiter der Arbeitsgruppe Funkverbindungen/Ausbildung
- in der Schaltbefehlsstelle
  der Leiter der Arbeitsgruppe Drahtverbindungen/Ausbildung.

Die Besetzung der Planstellen der Einheit Nachrichtensicher-
heit erfolgt mit erfahrenen Genossen, die zuvor im operativen
Betriebsdienst eingesetzt waren.
Als Leiter der ENS ist ein Offizier eingesetzt, der zuvor in
der Abteilung MAT tätig war. Er ist bestätigt für die Arbeit
des SAS- und Chiffrierdienstes und besitzt umfangreiche Kennt-
nisse auf dem Gebiet der Nachrichtensicherheit in Rechenbe-
triebseinrichtungen.
Als Stellvertreter des Leiters der ENS ist ein Offizier einge-
setzt, der zuvor als Kompaniechef der SAS- und Chiffrierkompa-
nie des NBB/NR-18 tätig war.
Er ist gleichzeitig verantwortlich für die Bearbeitung tech-
nischer Dokumentationen von Einrichtungen des SAS- und Chif-
frierdienstes in der Volksmarine sowie für Hilfe und Anleitung
der Verbände, Truppenteile und Einheiten bei der Erarbeitung
bzw. Überarbeitung technischer Dokumentationen.
Als Leiter der Strukturelemente Kontroll-/Überwachungsgruppe
Nachrichtensicherheit, Funküberwachung und Schaltbefehlsstelle
sind Fähnriche eingesetzt, die im operativen Nachrichtenbe-
triebsdienst des NBB/NR-18 in ihrer langjährigen Tätigkeit
umfangreiche Erfahrungen sammeln konnten.
Die Kontroll-/Überwachungsgruppe Nachrichtensicherheit ist
ausschließlich mit Angehörigen des SAS- und Chiffrierdienstes
besetzt.
Durch die Einheit Nachrichtensicherheit werden folgende Do-
kumente erarbeitet und ständig geführt:
- Plan der Nachrichtensicherheit;
- Karte Nachrichtensicherheit;
- Nachweis technischer Dokumentationen;
- Nachweis Kontrollen ENS;
- Nachweis der Fernsprech-/Fernschreib- und Funküberwachung.
In den Kontrollalgorithmus der Unterabteilung SAS- und Chif-
frierdienst wurden Schwerpunkte zur Kontrolle der Forderungen
der Nachrichtensicherheit eingearbeitet. Anhand dieser Schwer-
punkte erfolgt auch die Auswertung im formalistischen Kontroll-
bericht.
Die Kontroll-/Überwachungsgruppe Nachrichtensicherheit nimmt
planmäßig an den Kontrollen der Unterabteilung SAS- und Chif-
frierdienst teil. Der Leiter ENS bzw. sein Stellvertreter werden
ebenfalls zu planmäßigen Kontrollen eingesetzt, führen aber auch
selbständig und unangemeldet Kontrollen in den verbänden, Trup-
penteilen und Einheiten, speziell auch auf den Schiffen und
Booten durch.
Dazu wird monatlich ein Kontrollplan in Zusammenarbeit mit den
Leitern der Arbeitsgruppen SAS-Verbindungen/Ausbildung und Chif-
frierverbindungen erarbeitet, mit dem Plan Nachrichtensicherheit
abgestimmt und durch den Leiter der Unterabteilung SAS- und Chif-
frierdienst bestätigt.
Die Kontroll-/Überwachungsgruppe Nachrichtensicherheit führt
weiterhin die Kontrolle der Einhaltung der Regeln der gedeckten
Truppenführung auf den Fernsprech- und Fernschreibverbindungen
des Stabes der Volksmarine durch. Die Ergebnisse der Überwachung
werden analysiert und ausgewertet.
Die Funküberwachung leistet den Hauptanteil bei der Überwachung
von Nachrichtenkanälen der Volksmarine. Die Funkverbindungen
sind in der Volksmarine die Hauptnachrichtenverbindungen. Über
sie werden die Kampfkräfte geführt, sie sind auch Hauptan-
griffsziel gegnerischer technischer Aufklärung und Störung.
Entsprechend der Verantwortungszone der Volksmarine besitzt
die Funkverbindungen einen großen Ausbreitungsraum, in dem
auch ein sehr reger internationaler Seefunkverkehr herrscht.
Zu beachten sind auch die Standorte der eigenen stationären
Sendeanlagen und Stützpunkte in unmittelbarer Nähe des inter-
nationalen Seeverkehrs oder internationalen Häfen. So werden
an die Funkverbindungen nicht nur hohe Anforderungen wie
Standhaftigkeit, Flexibilität und Gedecktheit gestellt, son-
dern auch hohes Wissen und Können des Betriebspersonals und
die Aufrechterhaltung eines strengen Betriebsregimes zu jeder
Zeit abgefordert. Das verlangt auch eine regelmäßige und ge-
nau Kontrolle der Einhaltung der Regeln der gedeckten Trup-
penführung und des Funkbetriebsdienstes. So arbeitet die Funk-
überwachung vorrangig auf den geschalteten Funkverbindungen
des Stabes der Volksmarine.
Die Funküberwachung wird aber auch bei Übungen und Nachrichten-
trainings eingesetzt. Dabei wird der durchgängige 24-Stunden-
dienst angestrebt, aufgrund der Planstellenbesetzung der Funk-
überwachung z. Z. jedoch noch nicht in vollem Umfang reali-
sierbar.
Die Ergebnisse der Fernsprech-, Fernschreib- und Funküber-
wachung werden vierteljährlich in einem schriftlichen Über-
wachungsbericht erfaßt, grobe Verstöße werden sofort ausge-
wertet.

Große Anstrengungen wurden in Vorbereitung auf die Kontrolle
durch den Stab der Vereinten Streitkräfte in der Volksmarine
unternommen. So wurden z. B. in einzelnen Elementen von Nach-
richtenzentralen die bisher genutzte Technik neu installiert,
technische Dokumentationen von SAS- und Chiffrierzentralen
grundlegend überarbeitet und SFe-Ortsteilnehmernetze einer
gründlichen Kontrolle unterzogen.
Die Nachrichtenzentrale des TGS des Stabes der Volksmarine
wurde bei voller Aufrechterhaltung des Betriebsdienstes maler-
mäßig und technisch instandgesetzt. Die gesamte Vorbereitung
auf die Kontrolle durch den Stab der Vereinten Streitkräfte
stellte besonders hohe Anforderungen an das Betriebspersonal,
aber auch an die Führungsorgane der betreffenden Verbände und
Truppenteile. Die gestellten Aufgaben waren sehr umfangreich
und unter komplizierten Bedingungen, bei Aufrechterhaltung
des Betriebsdienstes, zu lösen. Nur mit viel Initiative und
entsprechender Motivierung konnten sie mit guten Ergebnis er-
füllt und abgerechnet werden.
Den dabei erreichten Stand gilt es zu halten und weiter aus-
zubauen, auch auf andere Truppenteile und Einheiten umzusetzen.

Die Wirksamkeit der Kontrollen in Nachrichtenzentralen und
-stellen hat sich mit Bildung der Einheit Nachrichtensicher-
heit weiter erhöht. So werden durch die ENS die Forderungen
der Installation und das Betreibens von Nachrichtengeräten
sowie Maßnahmen und Festlegungen zur Erfüllung von Forder-
ungen der Nachrichtensicherheit tiefgründiger kontrolliert.
Dabei werden die gewonnen Erfahrungen und Erkenntnisse in Vor-
bereitung und Durchführung der Kontrolle durch den Stab der
Vereinten Streitkräfte wirksam umgesetzt.
Probleme treten zur Zeit noch in der Zusammenarbeit mit ein-
zelnen Fachdiensten auf. In der Anordnung 25 des Stellver-
treters des Chefs und Chef des Stabes ist zwar festgelegt,
daß dem Chef Nachrichten die Projektierung von Nachrichten-
systemen bzw- Geräten zur Nachrichtensicherheit zur Mitzeich-
nung vorzulegen sind, teilweise wird dies jedoch nicht im er-
forderlichen Umfang durchgesetzt.

Zur umfassenden Erfüllung der Forderung auf dem Gebiet der
Nachrichtensicherheit wäre eine Grundsatzvorschrift von In-
teresse, in der die Aufgaben der Nachrichtensicherheit umfas-
send erfaßt und technische Forderungen zusammengefaßt sind.
Auch gibt es zur Zeit wenig Möglichkeiten meßtechnischer Über-
prüfung des Abfließens von Informationen durch Abstrahlung
beim Betreiben von Nachrichtensystemen und -technik.
Meßmethoden und ein erforderlicher Meßmittelpark sind nicht
vorhanden.

Abteilung XI                              Rostock, 12. 9. 88  BStU*317

Qülle: IME
angen.: Oltn. Blohm

Problem ENS

Die Einheit ENS besteht aus den Elementen Nachrichtensicher-
heit (SAS-Sicherheitsprobleme, Verantwortlich für das Fahr-
zeug des NSD, Kontrolltätigkeit), Funküberwachung (Überwach-
ung der Fu-Verbin.) und der Schaltbefehlsstelle (op. Schal-
tung von Draht- und Richtfunkkanälen).
Die Bildung des NSD war von Seiten des MfNV seit etwa 1985
in den grundsätzlichen Anordnungen zumindest aktuell vorbe-
reitet worden.
Der Inhalt und die Führung des Prozesses der Entwicklung des
NSD ist bis zum heutigen Tag von Seiten des MfNV weder konti-
nuierlich noch konsequent. So wurden am Anfang nur Übersetz-
ungen aus dem Russischen ohne Kommentar weitergeleitet und
alles was den Anstrich in Richtung Nachrichtensicherheit hat
mit hineingesetzt ohne eine Abgrenzung der Verantwortung
durchzusetzen. So war die Verantwortung erst bei der 8. Abt.
im MfNV, ging dann zur 1. Abt., insbesondere SAS, über und
ist zur Zeit wieder bei der 8. Abt. So ist der NSD z. Z.
ein Organ das als Aufgabenstellung eine Reihe echter Not-
wendigkeiten zu erfüllen hat, ohne daß die Frage des wie bzw.
die materielle Sicherstellung gewährleistet bzw. geklärt ist.
Eine  entsprechende Vorschrift ist unbedingt erforderlich.
Dabei wäre eine Trennung der Nachrichtensicherheits-Probleme,
welche heute noch in der DV 040/0/010 stehen, und die Über-
nahme in die neue Vorschrift erforderlich.

In der VM besteht bisher eine Anordnung über die Bildung des
NSD. Ansonsten ist die Aufgabenstellung weder kontinuierlich
noch wird sie richtig geführt. Das führt insbesondere beim
Gen. x, aber auch bei Gen. y zur Unzufriedenheit und führte
auch schon zu Diskussionen in der Nachrichtentruppe.
Die Nachrichtensicherheit-Truppe wird zur Zeit häufig zu ge-
rade op. zu lösenden Aufgaben herangezogen. Ungünstig wirkt
sich die unterschiedliche fachliche Einflußnahme der Spezia-
listen aus. Damit wird es sehr schwer, die Gesamttruppe unter
eine Leitung zu bekommen und die Analyse-, Auswerte- und Melde-
tätigkeit zu kontrollieren, um daraus die Aufgaben für den
NSD zu erarbeiten.

Zur Zeit wird die Führung des NSD der AG SAS übertragen.
Schwerpunkte der Arbeit sind die Erarbeitung der funktionellen
Pflichten der einzelnen Genossen und die Präzisierung des Ar-
beitsprofiles. Bisher arbeitet die Funküberwachung, die Kon-
trolltätigkeit, die Fernsprechüberwachung im Bereich des SCD
sowie die Laufendhaltung und Erarbeitung der techn. Dokumen-
tationen vom SCZ und Schiffsprojekten.
Aufgaben NSDAufgaben SCD u. NSDAufgaben SCD
- allg. Nachrich-
  tenverkabel.
  (techn. Probl.)
- Ortsnetze SAS/Chiff.-Sicherst. Mittel GTF
- Installation lo-
  kaler Rechner-
  netzte und Rechner
- Ortsnetze Datenverb.
  mit SAS-Abschluß
- Nachweisführung
- Kader
- Zustand NZ, Funk-
  räume, Fs-Zentr.
  Erdungen
- techn. Dokumentation
- Funküberwachung
- Fe/Fs-Überwachung
- Ausbildung
- Planung MTS/Technik
- Planung S/C-Verb.
- Revision elektr.
  Anlagen
- Kontrolltätigkeit
- (Frequenzvergabe?)- Mitarb. b. Problemen
- statische Sicherheit
So wären die Verantwortlichkeiten zweckmäßig. An Dokumenten
wäre zu erarbeiten:

Monatlich: - Bericht Nachrichtensicherheit mit Ergebnissen
             der Funk-, Fe- und Fernschreibüberwachungen
             sowie anderen festgestellter Mängel im Rahmen
             der Kontrollen.
Quartal:   - dgl.
Jahr:      - dgl. - als Anhang an Nachrichtensammelmeldung gTF

und Übergabe von Teilberichten mit Aufgabenstellungen an
Verbände,  Truppenteile und Einheiten.

                                        gez. IME

Bewertung
Die Inf. wurde auftragsgemäß durch den IME erarbeitet und ent-
hält op. zu beachtende Hinweise für die Lagebeherrschung im
Verantwortlichkeitsbereich. Bisher ist noch keine kontinuier-
liche Arbeit der ENS gewährleistet. Durch die Inf. wurde be-
reits vorliegende Hinweise auf die bisherige ungenügende Ar-
beitsweise der ENS bestätigt.

Maßnahmen
Z. Z. keine weiteren op. Maßnahmen erforderlich. Die Inf.
wird abschriftlich an die HA I/VM, UA Stab zur Kenntnis
übersandt.

Verteiler
1 x HA I/VM, UA Stab, gen. Fich
1 x Leiter DE

                                       Blohm
                                       Oltn.