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T-311 SELEN Bündelchiffriergerät für PCM-30 BStU*51 *75 *99 *124 *171 *185 *355
In der Planung für zukünftige PCM Verbindungen wurde für die
Bündelchiffriergeräte: T-328 für die PCM-10, T-338 für die
PCM-30 und T-348 für die PCM 120 als vorläufig Bezeichnung
festgelegt (1986). Für das PCM-Chiffriergerät das in der
PCM-480 eingesetzt werden sollte gab es noch keine Festle-
gungen bis auf das das Kombinat Nachrichtenelektronik das
mit der Entwicklung der Schnittstellen und Einbindung beauf-
tragt werden sollte.
Später erhielt das PCM-30 Bündelchiffriergerät die Bezeich-
nung T-311 SELEN.
Für die mobilen Richtfunkeinrichtungen war die T-311.M
mit der Entwicklung ab dem Jahr 1992 geplant.

Die T-311 ermöglicht den sicheren Schutz sowohl der über-
mittelten Informationen vor Kenntnisnahme und Auswertung
als auch vor Verkehrsaufklärung. Das Chiffrierverfahren
ermöglicht bei Nutzung von PCM-30/III die Chiffrierung von
dreißig 64kbit/s-Kanälen und den Schutz der Richtfunk-
strecken vor Verkehrsaufklärung.

Erste Planungen erfolgten im September 1976, im Rahmen der
Zusammenführung aller Richtfunkverbindungen in das gesamt-
staatliche Fernmeldenetz.
Im Jahr 1978 wurde die notwendigen Kapazitäten vereinbart.
Ab 1980 arbeitete das K-4 Muster einer T-311.

Der Chiffrieralgorithmus und das Schlüsselsystem ist
identisch mit dem der Chiffriergeräte T-314 MAJA und
T-325 POLLUX.

Im VEB Robotron Greifswald erfolgte die Entwicklung und die
produktionsreife Konstruktion der T-311.
Im VEB Steremat Berlin Hermann Schlimme wurde, ab 1986,
380 Stück der T-311 produziert.
Für die Realisierung wurden die PCM-Schaltkreise U 1500 DC 008
verwendet.

Weitere anwenderspezifische IC für die T-311:
T-311 IC
U5201
Abb.: Anwenderspezifische IC für die T-311.

PCM-30 ist Pulscodemodulation mit 32 Kanälen, zwei dienen als
Melde/Kennungskanal und Signalisierungskanal.
Die PCM-30 arbeitet mit einer Bitrate von 2,048 Mbit/s.
Die Aufgabe der T-311 ist die vom PCM-30 erzeugten Informationen
zu chiffrieren, in der folgend beschrieben Funktion:

Teilstreckenchiffrierung auf PCM 30 Kanälen
Das Chiffriergerät wird zwischen Primärmultiplexeinheit
und Leitungsendeinrichtung eingesetzt und chiffriert alle
Informationskanäle und wahlweise den 16. Kanal, den
Wählinformationen.

In folgender Prioritätenfolge wurde die T-311 eingesetzt:
- PCM-Richtfunkstrecken
- PCM-Kabeltrassen der DP
- PCM-Kabeltrassen des MfS
- LWL Trakte.
  (Bei Vorhandensein einer LWL-Überwachungseinrichtung
   und ISM soll auf LWL-Strecken auf den Einsatz der
   T-311 verzichtet werden. ISM In-Service-Monitoring)
   Inwiefern die ISM auf Kabeltrassen, das zur Einsparung
   der T-311 führt, genutzt wird ist noch nicht klar.

Das Bündelchiffriergerät ist nur im MfS, zu allererst auf
Richtfunkstrecken, eingesetzt worden. Für die MfS Dienst-
stellen ohne SAS/WTsch-Anschluß.

Das Konzept 2000 des ZCO (MfS Abt. XI) hatte in Planung
die T-311 in allen Fernmeldeeinrichtungen einzusetzen in
denen die PCM-30 installiert ist. Es waren schon 13
PCM-Strecken mit dem Geräte T-311 im Einsatz.
Als weiteres Bündelchiffriergerät war für die PCM-10
vorgesehen. Es besitzt eine Übertragungsgeschwindigkeit
von 0,7 Mbit/s.
Da das Konzept 1989 entstand, wurde dies nicht mehr realisiert.
Bündelchiffriertechnik
Abb.: die Schnittstelle für das Bündelchiffriergerät T-311.

Tasten der T-311:

EIN  = Einschalten der T-311

AUS  = Ausschalten der T-311

SWA  = Schlüssel einlesen

B    = Betrieb

PP   = prophylaktische Prüfung

PPA

STACK

QSW  = Quittierung

LAPR = Lampenprüfung

Ab der Serie K wird der gespeicherte Schlüssel über zwei
Kondensatoren gelöscht, wenn das Gerät ausgeschalten wird.
Es bestand bei den Vorserien die Möglichkeit der Aussendung
des Zeitschlüssels beim Ausschalten des Gerätes.

Der Zeitschlüssel, Typ 800/853/854 Schlüssellochstreifenabschnitt,
wird über einen Handlochstreifenleser eingelesen, siehe auch T-325.

Anzeigen:

M1   = Zustand des Chiffrators

M2   = Zustand des Chiffrators

QSW  = Störung

Aufstellungsorte der T-311
MfS
DGNNachrichtengebäudeKarlshorst
DGSDienstgebäudeSchnellerstraße
DKNODienstkomplexNormannenstraße
DO GosenDienstobjektGosen
NZ WBGNachrichtenzentraleWacholderberg
NZ WRANachrichtenzentrale WachregimentAdlershof
Schst. T WR N3  SchaltstelleTeupitz WR/N3
SH N3Schalthaus N3Teupitz WR/N3
UZ WREUnterzentrale WachregimentErkner
UZ WRTUnterzentrale WachregimentTeupitz
ZZ WR AfeZweitnebenstellenzentrale WachregimentAhrensfelde
NVA (ab 1987)
AZ-10AZ-10 Ausbildungszentrum 10
Paul Fröhlich LaSK Kdo MB III
Schneeberg
HNZ-3HFüStPrenden
UA-44. FlottilleRostock Warnemünde

Bis 1990 geplante Aufstellungsorte der T-311
ZK der SED in den Richtungen:
ZK MfSZK des MfS
ZK AOZK Ausweichobjekte
AO - AOAusweichobjekte untereinander
Bezirksleitung der SED in den Richtungen:
BL BVfSBezirksleitung Bezirksverwaltung des MfS
BL AOBezirksleitung Ausweichobjekt
AO BL - F BELAusweichobjekt Bezirksleitung - Führungsstelle Bezirkseinsatzleitung
Kurzauskunft T-311

1. Zweckbestimmung

T-311 ist ein elektronisches Chiffriergerät, das zur Chiffrierung
der traktseitig zu übertragenden digitalen Impulsfolgen zwischen
zwei PCM 30-Endstellen dient. Die Übertragung der
Informationssignale in der NF-Lage zur Heranführung der einzelnen
NF-Kanäle vom Teilnehmer zur PCM-Einrichtung wird durch T-311
nicht beeinflußt.

Auf PCM-Strecken, die mit T-311 gesichert sind, können Informatio-
nen bis zum Geheimhaltungsgrad GVS übertragen werden.

2. Zusammenschalten mit der Nachrichtentechnik

Der Anschluß des Gerätes T-311 zur Nachrichtentechnik erfolgt
über die mit CCITT G.703 und G.732 definierten 2,048 MBit/s-
Schnittstelle. Damit ergeben sich folgende im Bild 1
dargestellten Zusammenschaltmöglichkeiten mit Nachrichtengeräten.
T-311

Bild 1 PME  - Primärmultiplexeinrichtung
       PLEE - Primärleitungsendeinrichtung
       SME  - Sekundärmultiplexeinrichtung

Der Anschluß des Gerätes T-311 an die vor bzw. nachgelagerte
Nachrichtentechnik erfolgt 4-drähtig über jeweils 2 abgeschirmte
120 Ω - Leitungen.

Bei der Installation von Nachrichtentechnik, die mit T-311 zusam-
menwirken sollen, sind im Zusammenhang mit der Gewährleistung der
chiffriertechnischen Sicherheit eine Reihe spezieller Forderungen
zu beachten, die sich von den bisher üblichen Festlegungen für
die Installation der Nachrichtentechnik unterscheiden. Das be-
trifft vor allem die konstruktive und räumliche sowie stromver-
sorgungsmäßige Trennung der PCM-Baugruppen der Klartext- und
Geheimtextseite, um den Abfluß von Klartext durch Übersprechen
der Klartextseite auf die Geheimtextseite zu verhindern. Für die
Berücksichtigung dieser Probleme werden spezielle Installations-
vorschriften erarbeitet.

Für das Zusammenwirken mit PCM 120-Systemen ist das Gerät T-311
eine Schnellsynchronisation vorgesehen, die bei Auftreten eines
Bitversatzes infolge von Stoppfehlern wirksam wird.

3. Betriebsarten

Duplex, Dauerbetrieb, Chiffrierverkehr
Eine offene Übertragung ist nur bei physikalischer Herauslösung
des Gerätes T-311 aus dem Nachrichtenweg möglich.

4. Bedienung

Folgende Bedienvorgänge sind am Gerät erforderlich:

- Schlüsseleingabe, Dauer max. 10 s

- Schlüsselwechsel, Dauer max. 300 ms
  Der Schlüsselwechsel wird durch Bedienung an einem der beiden
  Korrespondierenden Geräte durch Bedienung ausgelöst. Während
  des Schlüsselwechselprozesses ist die Nachrichtenübertragung
  zwischen den Teilnehmern unterbrochen.

- Funktionskontrolle
  Es wird eine prophylaktische Prüfung wichtiger Funktionen des
  Gerätes durchgeführt (von Hand oder automatisch). Während der
  Prüfung ist die Nachrichtenübertragung unterbrochen. Bei
  automatischem Betrieb maximal 10 s.

5. Sicherungsmaßnahmen

Die Sicherheit der Nachrichten wird nur bei Geheimhaltung des
Schlüssels gewährleistet.

Das Gerät ist gegen unbemerkte Eingriffe gesichert.

Die Kabelsteckverbinder für den Anschluß der PCM-Leitungen und
der Stromversorgung sind verplombt. Die Bedienelemente sind
hinter einer gesicherten Bedienklappe angeordnet.

Bei Öffnung des Gerätes wird der Schlüsselspeicher automatisch
gelöscht. Das gleiche geschieht bei Verlust der Stromversorgung.

6. Fehlermeldungen und -anzeige

Ausfälle des Gerätes T-311 sowie der dem Gerät T-311
vorgelagerten Technik werden entsprechend CCITT-Empfehlungen
G.704 und G.912 bearbeitet und angezeigt.

Während des Ausfalls von T-311 ist die Nachrichtenverbindung
zwischen den Teilnehmern unterbrochen.

Die für die Fehlersuche in den PCM-Endstellen vorgesehenen
Möglichkeiten der Schleifenbildung werden durch T-311 nicht
eingeschränkt.

7. Technische Daten

- Abmessung 600 x 600 x 400 mm / Masse ca. 50 kg
  (Modifiziertes mob. 4-Gefäß) 4 Geräte stapelbar

- Stromversorgung - 48 ... - 60 V - 10% (Pluspol geerdet)
  zulässige Spannungsänderung bei Schaltvorgängen t - 100 ms
  + 20%

- Leistungsaufnahme - 150 VA

- Einsatzbedingungen
  Einsatzklasse              0/35/20/80/2101   nach TGL 9200/03
  Schutzgrad                 IP 41             nach TGL 15 165
  Außenstörfeldstärke        150 mV/m          30 MHz
                               1  V/m          30 MHz ... 1000 MHz

- Transport- und Lagerbedingungen
  - 30 ... 50 º (max. 5 k/5 min)
  rel. Luftfeuchte 98 % bei 35 ºC
  min. Luftdruck für max. 12 h 22 kPa
  max. Lagerdauer ohne Zwischeninbetriebnahme 1 Jahr
  (einschließlich Transportdauer)

- angestrebte Zuverlässigkeitsparameter
  mittlerer Ausfallabstand 5000 h
  mittlere Reparaturdauer 60 min.
  technischer Nutzungsfaktor 0,9998

- Schnittstelle zur Nachrichtentechnik nach CCITT G.703
  2048 kBit/S - 50 ppm
  HDB3/AMI Code umschaltbar
  - 3 V/244 ns RZ-Impulse
  max. 6 dB gedämpft am Eingang von T-311

Hauptabteilung XIX                      Berlin, 02. Februar 1989         BStU*380
Abteilung 4                              fr-her

S t e l l u n g n a h m e
zum Vorschlag der Abteilung XI über den Einsatz von
Bündelchiffriertechnik bei der Deutschen Post         

Zu dem o. g. Vorschlag der Abteilung XI gibt es aus der Sicht
der HA XIX keine Einwände.

Der Einsatz von Bündelchiffriertechnik in den Richtfunkver-
bindungen der Deutschen Post wird als wirksames Mittel zur
Verhinderung von Informationsabflüssen und zur Bekämpfung der
funkelektronischen Aufklärung des Gegners eingeschätzt und
ist unseres Erachtens eine effektive Lösung gegenüber dem
Einsatz von Chiffriertechnik bei den jeweiligen Nutzern bzw.
zu anderen Möglichkeiten.

Vorausgesetzt wird, daß die vorgesehene Technik zur Verhin-
derung gegenseitiger Störbeeinflussung mit der jeweiligen
Übertragungstechnik der Deutschen Post getestet wird, zumal
die neue digitale Übertragungstechnik PCM 120 zunächst in die
vorhandene analoge TF-Technik eingelagert werden soll.

Es wird um rechtzeitige Mitteilung der durch die HA XIX zu
beachtenden Einsatzbedingungen und Sicherheitserfordernisse
gebeten, insbesondere hinsichtlich evtl. Anforderungen an die
von der Deutschen Post einzusetzenden Mitarbeiter für die
Wartung, Störungsbeseitigung, die Gewährleistung des Schutzes
dieser Technik o. ä. Fragen.

                                     Friedrich
                                     Oberstleutnant

Begründung zum Beschlußentwurf

1. Darstellung der Sachlage

Im einheitlichen staatlichen Fernmeldenetz der Deutschen Post
werden Richtfunkverbindungen genutzt. Sie dienen der Bereitstel-
lung von Kanälen für den öffentlichen Fernsprech- und Fernschreib-
verkehr sowie der Übertragung der Rundfunk- und Fernsehsignale.

Die Fernsprech- und Fernschreibverbindungen werden zum überwiegen-
den Teil zur Deckung der Nachrichtenverkehrsbedürfnisse für Staat
und Wirtschaft und zum geringen Teil für die Belange der Bevöl-
kerung genutzt, ob sein Gespräch bzw. Fernschreiben ganz oder
auf Teilstrecken über Richtfunk oder nur über Kabel geführt wird.
Dies kann aus technischen Gründen auch nicht angezeigt werden.
Es ist auch grundsätzlich keine Trennung der Kanäle nach bedarfs-
trägern möglich.

Unter den vorhandenen physikalischen und geographischen Bedingungen
hat der Gegner die Möglichkeit, alle Richtfunkverbindungen der DDR
vom Territorium der BRD und von Berlin (West) aus unbemerkt abzu-
hören.

Es liegen gesicherte Informationen vor, daß insbesondere die impe-
rialistischen Geheimdienste der USA, Großbritanniens, Frankreichs
sowie der BRD diese objektiv gegebenen Chancen umfassend zur Fern-
meldespionage gegen die DDR im Rahmen ihrer elektronischen Kampf-
führung (ELOKA) nutzen.

Seit Jahren baut der Gegner vorrangig sein System der bodengestütz-
ten Aufklärungsobjekte entlang der Staatsgrenze der DDR und in
Berlin (West) mit hochleistungsfähigen funkelektronischen Aufklä-
rungs- und Analysesystemen aus und hat praktisch die Voraussetzun-
gen für eine elektronische Rundumüberwachung auf dem Territorium
der DDR geschaffen (Anlage 1).

Dadurch hat der Gegner Zugriff zu den Funkfeldern, die zwischen
den Richtfunkübertragungsstellen der Deutschen Post bestehen, und
schöpft - für die jeweiligen Nutzer unbemerkt - das gesamte Spek-
trum der Sprach- und Textübertragungen in diesen Fernmeldeverbin-
dungen ab.

Die Bedeutung dieser Feindaktivitäten wird vorrangig durch fol-
gende Gesichtspunkte charakterisiert:

- Die Fernmeldespionage ist für alle gegen die DDR tätigen Geheim-
  dienste eine tragende Säule der Informationsgewinnung, die durch
  einen entwickelten Austausch der Erkenntnisse zwischen den Ge-
  heimdiensten weiter ausgebaut wird.

- In den Aufgabenstellungen zur Informationsgewinnung der impe-
  rialistischen Geheimdienste nehmen zivile Bereiche einen breiten
  Raum ein. Zu interessierende Zielpersonen und Zielobjekten
  werden EDV-gestützt alle verwertbaren Erkenntnisse erfaßt und
  analysiert.

- Der Wert der von den Geheimdiensten aus den Richtfunknetzen ge-
  wonnenen Informationen wird insbesondere durch ihre hohe Aktuali-
  tät und durch die Erfassung von Indikatoren für gravierende Lage-
  veränderungen in der DDR gekennzeichnet.

- In allen gegnerischen Objekten und Dienststellen der Fernmelde-
  spionage erfolgt auch in den nächsten Jahren eine kontinuier-
  lischer Ausbau und die Modernisierung der Systeme mit dem Ziel
  der Erweiterung des Informationsaufkommens und der Effektivie-
  rung der Informationsverarbeitung nahezu um Echtzeitbetrieb.

Diesen Angriffen des Gegners wurde durch staatliche Maßnahmen auf
dem Gebiet des Schutzes der Staatsgeheimnisse entgegengewirkt.
Staatsgeheimnisse sind bei Übermittlung über technische Nachrich-
tenmittel aller Art grundsätzlich vom Absender zu chiffrieren.
Kanäle, die nur für Datenübertragung genutzt werden, führt die
Deutsche Post nicht über Richtfunk. Durch die bisher in der DDR
in allen Bereichen geschaffenen Möglichkeiten zur Chiffrierung von
Staatsgeheimnissen ist ein zuverlässiger Schutz bei deren Über-
tragung gewährleistet.

Aus ökonomischen Gründen ist es nicht möglich und zur Gewährlei-
stung der Sicherheit des Staates auch nicht notwendig, für andere
Geheimzuhaltenden und sonstige dienstliche Informationen ein ähn-
lich sicheres System wie für Staatsgeheimnisse aufzubauen. Hier
wird für ausreichend angesehen, wenn deren kontinuierliche, aktu-
elle Erfassung in einem großen Umfang durch die gegnerische Fern-
meldespionage ausgeschaltet wird.

Dies kann prinzipiell auf zwei Wegen erreicht werden:

1. Die Übermittlung erfolgt unchiffriert, aber nur über Kabel-
   verbindungen.
2. Die der Fernmeldespionage durch Verwendung von Richtfunk
   zugänglichen Teile der Übermittlungsstrecke werden chiffriert.

Die erste Maßnahme wird durch das MPF bereits für die Mehrzahl der
ehemals über Richtfunk laufenden Verbindungen der Sonderbedarfs-
träger praktiziert, die planmäßig in kabelgebundene Netze über-
führt wurden.

Die zweite Maßnahme ist technisch und ökonomisch nur unter der
Voraussetzung realisierbar, daß digitale Richtfunkstrecken zur
Verfügung stehen, wo ein aus mehreren Kanälen bestehendes Kanal-
bündel mit einem Chiffriergerätepaar als ganzes chiffriert werden
kann.

Die jetzigen Richtfunkverbindungen der Deutschen Post bestehen aus
analogen Breitbandrichtfunkstrecken (900 bzw. 1800 Kanäle) zwischen
Berlin und den Bezirksstädten sowie dem von der Partei übernommenen
analogen Schmalbandrichtfunknetz (24 Kanäle) bis in die Kreis-
städte (Anlage 2).

Die Erneuerung und der weitere Ausbau der Richtfunkstrecken erfol-
gt perspektivisch auf der Basis von digitaler Übertragungstechnik.

Bis 1990 werden sechs digitale Richtfunkverbindungen auf Bezirks-
ebene errichtet. 1991 - 1995 ist der Aufbau von weiteren elf
Strecken vorgesehen. Nach 1995 wird dieser Prozeß fortgesetzt,
und es it der Beginn der Digitalisierung der Verbindungen zwischen
Berlin und den Bezirksstädten vorgesehen, sobald durch die Indu-
strie die erforderlichen Anlagen bereitgestellt werden.

Mit dem systematischen Übergang zur digitalen Richtfunktechnik
werden gleichzeitig die technischen Voraussetzungen für die An-
wendung von Bündelchiffriertechnik geschaffen. Die für 1991 - 1995
erforderliche Chiffriertechnik (Bündelchiffriergerät T-311 - An-
lage 3) befindet sich im Auftrag des MfS/ZCO in Entwicklung und
kann ab 1991 produziert werden. Das Gerät ist ferner für den Ein-
satz auf PCM-Kabelverbindungen und Richtfunkverbindungen der
Sonderbedarfsträger vorgesehen. Die Notwendigkeit von spezieller
Chiffriertechnik für höherkanalige Richtfunktechnik ist noch zu
prüfen.

2. Problemerläuterung

1. Es wird davon ausgegangen, daß die Richtfunkverbindungen im
   einheitlichen staatlichen Fernmeldenetz der Deutschen Post
   weiterhin umfassend für die Übertragung von Informationen,
   insbesondere Telefongespräche, genutzt werden, deren Erfassung
   und Auswertung durch die gegnerischen Fernmeldespionage gezielt
   erfolgen wird.

2. Grundsätzlich ist es möglich, durch den Einsatz von digitaler
   PCM-Richtfunktechnik in Verbindung mit Bündelchiffriertechnik
   den Abfluß von Informationen zu verhindern. Diese Chiffrier-
   technik kann nicht mehr vom Nutzer, sondern nur noch vom Ver-
   antwortlichen für das Netz, der Deutschen Post, eingesetzt
   werden. Hierfür gibt es bisher keine Regelungen.

3. Ein Einsatz dieser Chiffriertechnik ist nur in dem Umfang und
   dem Tempo möglich, wie die Umrüstung der überwiegend analogen
   Richtfunkverbindungen auf digitale erfolgt. Durch fehlende
   materiell-technische Basis können die für die gegnerische Fern-
   meldespionage besonders wichtigen Verbindungen zwischen Berlin
   und den Bezirksstädten nicht vor 1997 in den Umrüstungsprozeß
   einbezogen werden.

4. Aus sicherheitspolitischen Gründen ist es notwendig, schon
   jetzt eine schrittweise Reduzierung des Informationsabflusses
   zu erreichen und ökonomisch günstige Lösungen für die Perspek-
   tive vorzubereiten.

3. Lösungsvorschläge

Da eine umfassende Absicherung der jetzt noch vorwiegend analog
arbeitende Richtfunkverbindungen kurzfristig nicht möglich ist,
wird vorgeschlagen, unter Beibehaltung der grundsätzlichen Stra-
tegie des MPF zum weiteren Ausbau des einheitlichen staatlichen
Fernmeldenetzes durch über einen langen Zeitraum bemessene Ein-
zelmaßnahmen die Wirksamkeit der gegnerischen Fernmeldespionage
systematisch einzuschränken.

Als die wichtigsten Komplexe von Maßnahmen werden gesehen:

- Beginn mit der Ausrüstung der digitalen Richtfunkverbindungen
  mit Chiffriertechnik, wo unmittelbar eine nachweisbare Erhö-
  hung der Sicherheit erreicht wird. Dafür wären von 1991 - 1995
  etwa 50 Geräte im Wert von etwa 8 Mill. Mark erforderlich.

- Berücksichtigung der wichtigsten Anforderungen für die Einfügung
  von Chiffriertechnik bei der Vorbereitung und dem Aufbau weiterer
  digitaler Richtfunkstrecken, damit der Einsatz der Chiffrier-
  technik jederzeit ohne wesentliche technische Veränderungen
  möglich ist.

- Rechtzeitige und verbindliche Abstimmung bei Neuentwicklung von
  PCM-, Chiffrier- und Richtfunktechnik zur Gewährleistung des
  für das Gesamtsystem erforderlichen Zusammenwirkens und der zu
  fordernden Sicherheit.

Ausgehen davon, daß die Aufwendung für die Chiffriertechnik zu
Lasten anderer Aufgaben der Deutschen Post nicht vertretbar sind
und eine differenzierte Belastung der Nutzer der Richtfunkverbin-
dungen nicht möglich ist, wird eine gesonderte Bereitstellung der
für die Chiffriertechnik erforderlichen Mittel im Rahmen der
Fünfjahresplanung aus dem Staatshaushalt für erforderliche gehalten.

Dieser Beschluß ermöglicht erstmalig die Nutzung der durch die
digitale PC-Richtfunktechnik und Bündelchiffriertechnik gegebenen
Möglichkeiten zur Erhöhung der staatlichen Sicherheit im einheit-
lichen staatlichen Fernmeldenetz und bereitet eine flexiblere
Nutzung der Richtfunkverbindungen der Deutschen Post in der Per-
spektive vor.

Anlage 1

Objekte der Fernmelde/Elektronischen Aufklärung des Gegners an
der Staatsgrenze zur DDR                                     
 1. ELOKA-Objekt "Klaustorf" - BRD-Luftstreitkräfte
 2. ELOKA-Objekt "Pelzerhaken" - BRD-Marine
 3. ELOKA-Objekt "Groß-Gusborn" - Britische Streitkräfte
 4. ELOKA-Objekt "Thurgauer Berg" - BRD-Luftstreitkräfte
 5. ELOKA-Objekt "Wesendorf" - Britische Streitkräfte
 6. ELOKA-Objekt "Hambühren" - BRD-Luftstreitkräfte
 7. ELOKA-Objekt "Barwedel" - BRD-Heer
 8. ELOKA-Objekt "Langeleben" - Britische Streitkräfte
 9. ELOKA-Objekt "Wobeck" - US-Streitkräfte
10. ELOKA-Objekt "Schöningen" - BND
11. ELOKA-Objekt "Schalkeberg" - Französische Streitkräfte
12. ELOKA-Objekt "Wurmberg" - US-Streitkräfte
13. ELOKA-Objekt "Stöberhai" - BRD-Luftstreitkräfte, Heer und
                               französischer Streitkräfte
14. ELOKA-Objekt "Ravensberg" - BND
15. ELOKA-Objekt "Frau Holle Teich" BND
16. ELOKA-Objekt "Stinksteinwand" - BRD-Heer, US-Streitkräfte
17. ELOKA-Objekt "Köditzer Hang" - Amt für Nachrichtenwesen
                                   der Bundeswehr
18. ELOKA-Objekt "Hohe Saaß" -  Amt für Nachrichtenwesen
                                der Bundeswehr
19. ELOKA-Objekt "Schneeberg" - BRD-Luftstreitkräfte
20. ELOKA-Objekt "Großer Kornberg" - BRD-Heer

Objekte der Fernmelde/Elektronischen Aufklärung des Gegners
in Berlin (West)                                         

1. ELOKA-Objekt der US-Streitkräfte "Marienfelde"
2. ELOKA-Objekt der US-Streitkräfte "Teufelsberg"
3. ELOKA-Objekt der US-Streitkräfte "Tempelhof"
4. ELOKA-Objekt der britischen Streitkräfte "Gatow"
5. ELOKA-Objekt der französischen Streitkräfte "Tegel"
6. ELOKA-Objekt der französischen Streitkräfte "Camp Foch"

Bemerkung: In allen Objekte der Streitkräfte sind gleichzeitig
             die Geheimdienste disloziert.

Anlage 2

Ü b e r s i c h t
über die Entwicklung des Aufbaus digitaler Richtfunkstrecken

1. Etappe 1986 - 1990

Bis zum Jahr 1990 werden folgende digitale Richtfunkstrecken
(PCM 120) errichtet:

Karl-Marx-Stadt - Rochlitz
Karl-Marx-Stadt - Freiberg
Schwerin        - Ludwigslust
Rostock         - Bergen
Rostock         - Grevesmühlen
Leipzig         - Torgau

2.Etappe 1991 - 1995

Bis 1995 werden folgende digitale Richtfunkstrecken (PCM 120)
errichtet:

Rostock        - Bergen (Erweiterung)
Potsdam        - Gransee
Potsdam        - Rathenow
Frankfurt/Oder - Eberswalde
Gera           - Jena
Cottbus        - Luckau
Cottbus        - Lübben
Suhl           - Bad Salzungen
Gera           - Saalfeld
Saalfeld       - Hohenölsen

3. Etappe 1996 - 2000

Weitere Errichtung von digitalen Richtfunkstrecken mit PCM 120
und, soweit bereitgestellt, beginn mit dem Aufbau von hoch-
kanaliger digitaler Richtfunktechnik für PCM 1920 für Strecken
zwischen Berlin und den Bezirksstädten.

Anlage 3

Kurzauskunft Bündelchiffriergerät T-311

1. Einsatzziele

T-133 ist vorgesehen für die Chiffrierung von PCM-Primärbündeln
auf PCM-30- bzw. PCM-120-Richtfunkstrecken (bei PCM 120 werden
4 Geräte T-311 benötigt). Durch den Einsatz von T-311 wird die
Gewinnung von Klartexten aus den Richtfunkanälen der DDR durch
die gegnerische Funkaufklärung vom eigenen Territorium aus ver-
hindert. Des weiteren können alle über die chiffrierte Richt-
funkstrecke laufenden Informationen zum aktuellen Zustand des
Netzes (z. B. wer spricht mit wem?) ebenfalls chiffriert über-
tragen werden. Das Gerät kann ebenfalls für die Absicherung von
PCM-Kabelübertragungen genutzt werden.

2. Angaben zu T-311

Das Gerät ist ein modernes elektronisches Chiffriergerät, in dem
u. a. 4 Mikroprozessoren zum Einsatz kommen. Es wird auf der
Grundlage sowjetischer Erkenntnisse und einer konkreten Aufga-
benstellung de MfS/ZCO im MEE/KEAW entwickelt. Das Chiffrier-
gerät ist zur Chiffrierung von GVS-Informationen zugelassen.

Das Gerät ist bedienerfreundlich und Bedienungsarm (Schlüssel-
wechsel einmal im Monat), arbeitet weitestgehend wartungsfrei
und besitzt eine hohe Zuverlässigkeit. es arbeitet duplex und
im Dauerbetrieb mit ununterbrochener Chiffrierung.

Die Masse des Gerätes beträgt etwa 50 kg, die Leistungsaufnahme
etwa 100 Watt. Die Preisobergrenze ist etwa 150 TM. Zur Zeit läuft
die Erprobung der K4-Muster, K5: 10/89. Die Vorserie wird 1990
produziert.

Konzeption für den Einsatz der
Pulscodemodulations-Multiplexeinrichtung PCM 30-III

Inhaltsverzeichnis
---------------------------

1.    Allgemeine Angaben
1.1.  Bezeichnung des Gerätes / Technik
1.2.  Artikel- / ELN-Nr.
1.3.  Lieferbetrieb / Hersteller
1.4.  Stand der Entwicklung
1.5.  Produktionsbeginn

2.    Anwendungs- / Einsatzgebiet
2.1.  Stellung im Nachrichtensystem des MfS
2.2.  Notwendigkeit des Einsatzes
2.3.  Ökonomische Aspekte

3.    Maßnahmen zur Vorbereitung des Einsatzes
3.1.  Terminlicher Ablauf der Einführung
3.2.  Feststellungen zur Planung
3.3.  Maßnahmen zur Qualifizierung
3.4.  Hinweise zur Ersatzteilhaltung, Instandhaltung und Instandsetzung
3.5.  Weitere Maßnahmen zur Einführung

4.    Schlußfolgerungen für den Einsatz der abzulösenden Technik

5.    Schlußbestimmungen


1.    Allgemeine Angaben

1.1.  Bezeichnung des Gerätes / Technik

Pulscodemodulations-Multiplexeinrichtung für 30 Kanäle, III. Genera-
tion (PCM-30-III PME)

1.2.  Artikel- / ELN-Nr.

137 136 10 076

1.3.  Lieferbetrieb / Hersteller

VEB Nachrichtenelektronik Greifswald (NEG)

1.4.  Stand der Entwicklung

Die K1-Verteidigung fand am 29.01.1987 statt.

Der weiter Ablauf ist  K 2            03/89
                       K 5 / 0        03/90
                       GLE-Produktion 1989
                       K 11.5         12/90

1.5.  Produktionsbeginn

Der Termin der Produktionseinführung (K 11.5) ist zu 12/90 geplant.

Aus betrieblichen Gründen wird bis 1995 eine parallele Produktion des
Vorgängererzeugnisses PCM-30-II und des neuen Erzeugnisses PCM 30-III
stattfinden.

Ab 1996 wird PCM 30-II nicht mehr produziert, der Lebensende-Bedarf
ist bis 1993 zu planen (Ersatzbedarf für Störreserven beachten).

2.    Anwendungs- / Einsatzgebiet

2.1.  Stellung im Nachrichtensystem des MfS

PCM 30 ist der erste Baustein innerhalb der PCM-Systemfamilie und rea-
lisiert den Multiplexer und Demultiplexer von 30 NF-Kanälen oder 64 kb/s-
Datenkanälen zur PCM-Primärgruppe mit der Bitrate von 2,048 Mb/s ent-
sprechend CCITT-Empfehlung G.703.

Weitere Hierarchiestufen sind:  Sekundärstufe  PCM  120,   8 Mb/s
                               Tertiärstufe   PCM  480,  34 Mb/s
                               Quartärstufe   PCM 1920, 140 Mb/s
                               Quintärstufe   PCM 7680, 565 Mb/s

Wegen der Notwendigkeit der Zusammenfassung bzw. Auflösung von PCM-
Signalen höherer Ordnung ist stets die Primärstufe erforderlich, z.B.
bei PCM 120 viermal, bei PCM 480 16 mal usw., daraus resultiert ein
zahlenmäßig sehr hoher Bedarf an PCM 30-Muliplexern.

Die Primärmultiplexeinrichtung PCM 30-III realisiert folgende neuen
Leistungsmerkmale:

- wahlweise Übertragung von Fernsprech- oder Datenkanälen auf allen 30
  Kanälen (bei PCM 30-II max. 2 Kanäle für Datenübertragung nutzbar),

- Schnittstellenbedingungen des CCITT (Serien G.700 und G.800) werden
  eingehalten,

- mögliche Nutzung freier Bits im Kanalintervall 0 (Rahmensynchronwort
  und Meldewort) sowie im Kanalintervall 16 (Überrahmensynchronwort),

- Integration der NF-Anpassung in die Kanalkarten der PME, damit per-
  spektivisch Wegfall der NF-Anpassungstechnik (ENF, VNF).

Zum flexiblen Einsatz der PCM-Technik wird bis zur Leistungsstufe K2
(03/89) die Realisierung von Einzelkanal- und Gruppenabzweigen (PCM 30
in 3 x PCM 10) untersucht.

Die Kompatibilität von PCM 30-III zur Chiffriertechnik für PCM 30-II-
Systeme wird durch Zusammenarbeit mit der Abteilung XI gewährleistet.

Trotz der genannten Vorteile muß darauf verwiesen werden, daß ein Er-
satz der II. Generation durch PCM 30-III erst möglich ist, wenn alle
benötigten Kanalkarten (Umsetzer) verfügbar sind.

Im Rahmen der Entwicklung der Primärmultiplexeinrichtung (PME) werden
zunächst lediglich folgende Kanalkarten (KK) entwickelt und zeitgleich
in die Produktion übergeleitet:

- Kanalkarte mit Signaleinheit (KK-SE), wahlweise schaltbar als Vier-
  draht- oder Zweidraht-SE,

- Kanalkarte mit direktangepaßtem Kennzeichenumsetzer für die DP (KK-
  DP) für die Zählung während des Gespräches (ZwdG) und RKZ-Übertragung,

- Datenschnittstelle (DS) für 64 kb/s, dabei zwei Ausführungen:
  kontradirektional (DSA) und kodirektional(DSB).

Weitere Kanalkarten wie Wählanschluß (KK-WA 1, KK-WA 2), Zweidraht-OB
(KK-OB) werden in Folgethemen in den Jahren 1990 - 1992 realisiert.

Kompatibilität zwischen II. und III. Generation PCM 30 wird sowohl bei
den Systemparametern als auch bei den Anpassungsumsetzern angestrebt
z.B.:  B 2768 und B 2769 - KK-DP,
       B 2754 und B 2774 - KK-SE,
       B 2772            - KK-OB.

Die Sekundärmultiplexeinrichtung PCM 120 ist für die Primärfolgen der
PCM-30-II und PCM 30-III transparent.
Damit ist die Einführung von PCM 30 III als Multiplexer für höhere
Hierarchiestufen unproblematisch.

Beim Leitungstrakt PCM 30-III werden neue Zweiwegregeneratoren mit
PCM-Fehlerortung nach dem Schleifenschaltverfahren eingesetzt.
Es besteht keine Möglichkeit, bestehende PCM 30-II - Grundleitungen
nachzubestücken.

Wegen der genormten Schnittstellen können Multiplexer und Leitungs-
trakte der II. und III. Generation kombiniert betrieben werden, damit
ist die Ersatzschaltung von PCM 30-Grundleitungen realisierbar.

Die PME PCM 30-III wird konstruktiv in einem neuen Gefäßsystem in
Schmalgestellbauweise (SCB) angeboten, das zur Zeit produzierte EGS-ÜT
Gefäßsystem wird eingestellt (die Richtfunkeinrichtungen PCM 30-
300/400/800 hat ein ähnliches Schmalgestell).

Die wichtigsten Abmessungen des neuen Systems SCB sind unter Berück-
sichtigung der TGL 43598 und des ST-RGW 4677-84:

  Nennbreite  121,2 mm Teilungsmaß
  Nenntiefe:  260 mm, davon 20 mm für Bedienteile, Kühlkörper usw.
  Nennhöhe:   2600 und 2300 mm, für besondere Anwendungsfälle sind
              kleinere Höhen im Gestellraster möglich, dabei beträgt
              ein Höhenraster (HR) 40,64 mm

In einem Schmalgestell können beispielsweise zwei PME und zwei LEE an-
geordnet werden.

Die Spannungsversorgung erfolgt mit 48 V oder 60 V (Pluspol geerdet),
die Stromaufnahme beträgt je PME bei 60 V etwa 2 A.

Der zulässige Betriebstemperaturbereich beträgt + 5ºC bis + 45ºC bei
einer relativen Luftfeuchte zwischen 40% und 85 %.

2.2. Notwendigkeit des Einsatzes

Mit der seit 1979 produzierten II. Generation PCM 30-II sind eine Rei-
he von Anwenderanforderungen (z. B. wahlweise Beschaltung aller Kanäle
mit Fernsprech- oder Datenkanälen; Abzweigtechnik usw.) nicht reali-
sierbar.

Diese Leitungsmerkmale bietet die III. Generation bei gleichzeitiger
Platz-, Gewichts- und Energieeinsparung durch Einsatz moderner Techno-
logien (höherintegrierter Schaltkreise, SMD-Bauweise).

Außerdem wird wegen der Integration der Kanalkarten in das PME-Gestell
künftig keine NF-Anpassungstechnik mehr benötigt.

Der Einsatz von PCM 30-III-Systemen ist eine der Voraussetzungen für
die Errichtung eines Schmalband-ISDN.


2.3.  Ökonomische Aspekte

Im Pflichtenheft vom 15.01.1987, VD EP 3/87, wird eine Basiskonfigura-
tion (BK) definiert, die aus 4 Schmalgestellen (PSG) und 8 PCM-Multi-
plexeinrichtungen (PME) besteht.

Die Preisobergrenze (POG) für diese Basiskonfiguration beträgt lt. PH
206.100 Mark, d. h. etwa 25.000 Mark je PME.

Dieser Preis liegt etwas über dem des Vorgängererzeugnisses, jedoch
durch verbesserte Leistungsmerkmale, höhere Zuverlässigkeit, Wegfall
der NF-Anpassungstechnik sowie um 50% niedriger Stromverbrauch ist der
Einsatz von PCM 30-III ökonomisch gerechtfertigt.

Für den Hersteller entstehen durch den Einsatz moderner Technologien
(Schlitzklemmtechnik, SMD-Bauelemente, CMOS-IC usw.) ökonomische Vor-
teile wie Einsparungen an lebendiger Arbeit (40%), Einsparung von Stahl
(70%), Kupfer (80%), Leiterplattenmaterial (46%), Aluminium (49%).

3.    Maßnahmen zur Vorbereitung des Einsatzes

3.1.  Terminlicher Ablauf der Einführung

Wegen der zeitgleichen Produktion und Auslieferung der II. und III.
Generation werden zwischen 1989 und 1995 beide Gerätesysteme neu zum
Einsatz kommen.
Entsprechend der genannten Vorteile ist PCM 30-III vorrangig dort ein-
zusetzen wie

- die Realisierung von Datenübertragungskanälen bis 64 kb/s,

- die Realisierung von Einzelkanal- oder Gruppenabzweigen sowie

- die Komplettierung der Richtfunkeinrichtung PCM 30-300/400/800

erforderlich ist.

Die Einführung der III. Generation erfolg schrittweise; mit zunehmen-
der Bereitstellung von PCM 30-III einschließlich der erforderlichen
Kanalkarten ist der Einsatz auf weitere Anwendungsfälle auszudehnen.

Wegen der in Tz. 2.1. genannten Probleme der Umrüstung von PCM 30-Lei
tungstrakten ist der Einsatz von PCM 30-III vorwiegen

- für neu zu errichtende Leitungstrakte für PCM 30 (Kupfer und LWL),

- als Multiplexer / Demultiplexer für Sekundär- oder Tertiarsysteme und

- zur Komplettierung der Richtfunkeinrichtung PCM 30/300/400/800

zu realisieren.

3.2.  Festlegungen zur Planung

Die Planung und Bilanzierung von PCM 30-III erfolgt nach Anforderung
der Diensteinheiten entsprechend der materiellen Planungsordnung (MPO)
des MfS durch die Abteilung N 8 der Abteilung N des MfS.

Die anteilmäßige Planung von Geräten der II. und III. Generation muß
unter Berücksichtigung der Bilanzanteile des MfS erfolgen.

3.3.  Maßnahme zur Qualifizierung

Die Qualifizierung der Mitarbeiter ist durch Teilnahme an Lehrgängen
des Herstellerbetriebes sowie der Deutschen Post abzusichern.

In Abhängigkeit vom Lieferumfang der einzuführenden Technik sind durch die
Leiter der Diensteinheiten der Abteilung N des MfS bzw. der Abteilun-
gen N der BV die erforderlichen Maßnahmen zur Schaffung des erforder-
lichen Bildungsvorlaufes einzuleiten.

3.4.  Hinweise zur Ersatzteilhaltung, Instandhaltung und Instandsetzung

Mit einem mittleren Ausfallabstand von 20.000 h (ca. 2,3 Jahre) wird
die Zuverlässigkeit gegenüber der II. Generation mehr als verdoppelt.
Die Reparatur ausgefallener Systeme PCM 30-III erfolgt durch Baugrup-
pentausch.
Nach der Erfassung durch die Abteilung N6 der Abteilung N des MfS wer-
den die defekten Baugruppen vom Herstellerbetrieb instandgesetzt.
Diese Instandsetzungen ist von der Abteilung N5 der Abteilung N des MfS
Mit dem VEB Nachrichtenelektronik Greifswald vertraglich zu binden.
Die Verwaltung der zentralen Störreserve erfolgt durch die Abteilung
N6 der Abteilung N des MfS; örtliche Störreserven sind von der Abtei-
lung N3, N4, N11 und N14 der Abteilung N des MfS sowie den Abteilun-
gen N der BV zu verwalten. Der Umfang der Störreserven wird bis 12/90
festgelegt.


3.5.  Weiter Maßnahmen zur Einführung

Mit dem Herstellerbetrieb sind die technischen Lieferbedingungen (TLB)
durch die Abteilungen N5 und N8 der Abteilung N des MfS zu vereinba-
ren.

Die Entwicklung weiterer Kanalkarten (KK-WA 1, KK-WA 2, KK-OB) in den
Jahren 1990 - 1992 ist durch die Abteilung N8 der Abteilung N des MfS
zu betreuen und entsprechend der Erfordernisse des MfS zu beeinflussen.

Erst bei vollen Ersetzbarkeit durch PCM 30-III kann die Zustimmung des
MfS zur Produktionseinstellung von PCM 30-II und VNF ab 1996
gegeben werden.


4.    Schlußfolgerungen für den Einsatz der abzulösenden Technik

Eine generelle Ablösung der II. Generation durch PCM 30-III ist nicht
vorgesehen.


5.    Schlußbestimmungen

Die Festlegungen dieser Konzeption treten mit sofortiger Wirkung in
Kraft.

Die Ergebnisse der Entwicklung weiterer Systemkomponenten wie Kanal-
karten, Abzweigtechnik usw. sind zu gegebener Zeit einzuarbeiten.


                                            Zukunft
                                            Generalmajor

Abbildungen der PCM-30 Variante I und II
PCM-30 IPCM-30 II
PCM-30 I
Robotron-Technik.de*74
PCM-30 II
ZGS-14/Üst-2*75
PCM-30 IIPCM-30 II
PCM-30 II
ZGS-14/Üst-2*75
PCM-30 II
ZGS-14/Üst-2*75