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SKS I/II/III/IV/V Signal-Kommando-System der Raketentruppen mit Chiffrator
BStU*679
Im Auftrag des Ministerium für Nationale Verteidigung und
der HA III -Funkaufklärung- wurde an das OTS sowie dem ZCO
das Projekt SKS, -Signal-Kommando-System- für die Raketen-
truppen der NVA, in Auftrag gegeben.
Begonnen wurde mit der Realisierung im Jahr 1969, bereits
im Herbst des Jahres 1970 wurde die SKS II im Manöver
WAFFENBRÜDERSCHAFT 70 erprobt.
Dabei wurden auch Erfahrungen gesammelt im Bereich des
elektronischen Kampfes sowie der Funkunterdrückung. Das
zur Weiterentwicklung des System führt.

Das ZCO entwicklte Konzepte und Anlagen, die die Navigations-
daten chiffrierten und der fehlerkorregierten Übertragung.
Chronologischer Ablauf:
Ab der SKS III wurde es im internationalen Rahmen ETTF STUSNO
geführt, Sistema Teleparolenija Srestw Nawigazionowo Oborndwanija.
Frei Übersetzt: Fernsteuerungssystem für Navigationsmittel.

Grundlagen Lit
Auszug aus dem Buch von A. I. Pali, »Funkelektronischer Krieg«,
Verlag des Ministeriums für Verteidigung der UdSSR, Moskau 1974,
Seite 262 bis 268.
In dem Buch des sowjetischen Autors sind die modernen Methoden
der Funkaufklärung und der Funkgegenwirkung dargestellt. Es werden
die Geräte zur Suche, Überwachung, Registratur und Peilung
von Quellen elektromagnetischer Ausstrahlung beschrieben. Große
Aufmerksamkeit wird auch den passiven und den aktiven Funkstörungen
sowie den Mitteln der Funkmeßtarnung gewidmet.
---
A. I. Pali

Funkgegenwirkung
bei der Überwindung
der Raketenabwehr

Das Aufkommen von ballistischen Raketen in den Streitkräften einiger
Länder erforderte es, die Raketenabwehr zu organisieren. In den
USA zum Beispiel wurde das Frühwarn- und Auffassungssystem
(BMEW S ) geschaffen, und man arbeitet an dem Raketenabwehrsystem
»Safeguard«. Grundlage der Raketenabwehr bilden verschiedene
funkelektronische Mittel (Bild 1): Funkmeßstationen für die
Fernauffassung, die Freund-Feind Erkennung, die Zielbegleitung und
die Zielzuweisung an die Raketenabwehr komplexe, die Zielverfolgung
und das Heranleiten von Abwehrraketen sowie Elektronenrechner zur
Datenverarbeitung und Leitung der Raketenabwehrkomplexe.
SKS B1
Bild 1 Prinzip der Raketenabwehr: 1- Frühwarnstation;
                                  2 - Fernauffassungsstation,
                                      Zielbegleitung und Zielzuweisung;
                                  3 - Funkmeßstation zur Freund-Feind-Erkennung und
                                      zum Heranleiten der Abwehrrakete;
                                  4 - Ziel;
                                  5 - Abfangpunkt der Angriffsrakete
SKS B2
Bild 2 Erläuterung der Organisation der Funkgegenwirkung bei der Überwindung
       der Raketenabwehr : 1 - Scheinzielwolke, die den Gefechtskopf begleitet;
                           2 - aufblasbare Scheinziele;
                           3 - schwere metallisierte Bänder;
                           4 - Gefechtskopf mit Funkgegenwirkungsmitteln;
                           5 - Flugbahn der Abwehrrakete;
                           6 - Raketenleitstand für die Abwehrrakete;
                           7 - sich selbst zerlegende und manövrierende Gefechtsköpfe;
                           8 - veränderte Flugbahnen der Gefechtsköpfe;
                           9 -  Ziel;
                          10 - Kernwaffendetonation in großer Höhe

Nach den Angaben der Frühwarn - und Auffassungsfunkmeßstationen
wird die Flugrichtung der Raketen eingeschätzt, bestimmt man
die möglichen Gebiete, in denen sie niedergehen können. Die Fernauffassungsstationen
der Raketenabwehr erhalten die Zielzuweisung
für das Auffassen der Gefechtsköpfe der Raketen. Diese Funkmeßstationen
ermitteln die Flugbahnen der Gefechtsköpfe der Raketen
und bestimmen die Punkte, an denen sie niedergehen. Von diesen
Stationen erfolgt die Zielzuweisung für die Abwehrmittel Ziele , die
im Abwehrsektor verbleiben, werden von den dazugehörigen Funkmeßstationen
begleitet. Nach den vorliegenden Funkmaßdaten werden
die Startzeit, die Flugbahn und der Treffpunkt der Abwehrrakete
mit dem Ziel errechnet.
Sobald die Abwehrrakete gestartet ist, bestimmt die Funkmeßstation
die Flugbahn und präzisiert gleichzeitig die Zielkoordinaten.
Ergeben die Messungen Abweichungen, so errechnen die Datenverar-
beitungsanlagen Korrekturkommandos für den Flug der Abwehrrakete,
die von einer Funkmeßstation übertragen werden. Hat sich
die Abwehrrakete dem Ziel auf eine bestimmte Entfernung angenähert,
so wird auf das Kommando »Zündung« der Funkzünder in Tätigkeit
gesetzt.
Den Betrieb funkelektronischer Mittel der Raketenabwehr kann
man nach Meinung ausländischer Spezialisten durch aktive Störungen,
verminderte Reflexionsfähigkeit der Gefechtsköpfe von Raketen sowie
durch den Einsatz von Scheinzielen stören (Bild 2). Als eine Möglichkeit,
Scheinziele zu schaffen, schlugen USA- Spezialisten zum Beispiel
vor, die letzte Stufe der Angriffsrakete nach der Trennung von
dem Gefechtskopf zu sprengen (Bild 3). In großer Höhe, bei stark
verdünnter Atmosphäre, bewegen sich die Splitter, trotz ihrer geringen
Masse, in unmittelbarer Nähe des Gefechtskopfes mit der gleichen
Geschwindigkeit und bilden eine Wolke von Scheinzielen. Die
Splitterwolke kann Ausmaße von einigen hundert Kilometern erreichen.
Die Funkmeßsignale von der Splitterwolke ergeben auf dem
SKS B3
Bild 3 Teile einer zerlegten Raketenstufe, die als Scheinziel dienen

Bildschirm viele Scheinziele, so daß der Gefechtskopf nur schwer zu
bestimmen ist. Man hat festgestellt, daß es trotzdem mit Funkmeßstationen
möglich ist, den Gefechtskopf relativ leicht in der Scheinzielwolke
zu erkennen. Ausgehend davon, begann man im kapitalistischen
Ausland mit Winkel - und Dipolreflektoren sowie aufblasbaren
Ballons spezielle Scheinziele zu entwickeln, darunter auch solche, die
durch Infrarotstrahlung Gefechtsköpfe von Raketen imitieren können.
Beim Eintritt in die dichteren Schichten der Atmosphäre bleiben
jedoch die von ihrem Gewicht her leichten Scheinziele hinter dem
Gefechtskopf der Rakete zurück und verglühen. Aus diesem Grund
ging man in ausländischen Armeen dazu über, schwere Scheinziele
in Form von Pfeilen, Kugeln oder Ringen (Bild 4), die einige Kilogramm
wiegen und mit einem Hitzeschild versehen sind, zu entwickeln.
Nach dem Abtrennen des Gefechtskopfes von der letzten Stufe
der Rakete begleiten solche Scheinziele den Gefechtskopf bis in Höhen
von etwa 15 km.
In den USA gibt es auch aufblasbare Ballons mit einem Metallüberzug,
die auf dem Funkmeßbildschirm als Gefechtsköpfe von
Raketen bestimmt werden können. In einer Rakete können dabei
mehrere aufblasbare Reflektoren enthalten sein, die im kosmischen
Raum die Form des Gefechtskopfes der Rakete annehmen.
SKS B4
Bild 4 Scheinziele gegen Funkmeßstationen,
       die zur Oberwindung der Raketenabwehr dienen

Dipolreflektoren werden aus Metalldraht in Längen hergestellt, die
der halben Wellenlänge der zu störenden Funkmaßstation entsprechen,
oder sie bestehen aus schweren Metallbändern, die in die dichteren
Schichten der Atmosphäre eindringen können.
Scheinziele werden direkt im Gefechtskopf der Rakete oder in der
letzten Stufe untergebracht. Im ersten Fall muß der Schwerpunkt
des Gefechtskopfes nach dem Ausbringen der Scheinziele neu ausgetrimmt
werden. Sind jedoch die Scheinziele in der letzten Stufe
der Rakete untergebracht, kann man, nachdem sie ausgebracht sind,
auch die letzte Stufe, wenn sie sich ausreichend weit vom Gefechtskopf
entfernt hat, zerstören und so mehrere schwere Scheinziele
schaffen.
Mit Scheinzielen zum Einsatz gegen Funkmaßstationen werden zum
Beispiel die amerikanischen Raketen vom Typ Titan, Minuteman,
Polaris und ebenfalls neu entwickelte interkontinentale ballistische
Raketen ausgerüstet. Während der Erprobung des Raketenabwehrkomplexes
Nike Saves waren bis zu 30 Prozent der Atlas-Raketen
mit Scheinzielen ausgestattet.
Die effektive Reflexionsfläche der Gefechtsköpfe von Raketen kann
durch spezielle Formgebung und durch Überzüge mit absorbierenden
Schichten verringert werden (Bild 5).

SKS B5
Bild 5 Gefechtskopfformen und Formen für Scheinziele,
       die interkontinentale ballistische Raketen imitieren:
       1 - Kopfteil mit Hitzeschild;
       2 - Kopfteil mit Hitzebeständigem Oberzug;
       3 - einfaches Scheinziel;
       4 - aufblasbares Scheinziel

Die geringste effektive Reflexionsfläche weisen lange, konusförmige
Gebilde auf. Wenn sie in die Atmosphäre eintauchen, bildet sich nur
eine schwache Stoßwelle und ein kleiner ionisierter Schweif, der von
den Funkmeßstatwnen geortet werden kann. Die Konusform wird so
berechnet, daß sich das Druckzentrum hinter dem Schwerpunkt befindet
und der Gefechtskopf sich beim Eintauchen in die dichteren
Schichten der Atmosphäre mit der Konusspitze auf die Funkmeßstation
der Raketenabwehr orientiert. Das setzt die Auffassungsentfernung
von Gefechtsköpfen durch Funkmaßstationen bedeutend
herab. Die vorteilhaftesten Formparameter für Raketengefechtsköpfe
bestimmt man ausgehend von den Funkmeß - und aerodynamischen
Kennwerten sowie unter Beachtung der Infrarot- Strahlungsintensität
und der Ultraviolettausstrahlung.
Ein Mittel, die Raketenabwehr zu überwinden, so meinen ausländische
Spezialisten, besteht darin, aktive Störsender einzusetzen. Sie
sollen im Gefechtskopf der Rakete oder an anderer Stelle untergebracht
werden und aktive Scheinziele darstellen. Solche Scheinziele
sind mit leistungsschwachen Antrieben ausgestattet, die eine Lenkung
während des Fluges erlauben.
Die Störsender werden auf die Frequenz der zu störenden Funkmeßstationen
vor dem Start der Rakete oder automatisch abgestimmt,
wenn ein Funksignal vom Suchempfänger im Gefechtskopf aufgefangen
worden ist.
Eines der kompliziertesten Probleme, das heute bei der Projektierung
von Störsendern für Raketen zu lösen ist, ist das Unterdrücken
des Einflusses der Plasmahülle, die sich um den Gefechtskopf beim
Eintritt in die dichteren Schichten der Atmosphäre bildet. Die Plasmahülle
absorbiert die vom Sender ausgestrahlten elektromagnetischen
Wellen. Beim Eintauchen von Objekten mit hoher Geschwindigkeit
in die Atmosphäre beobachtet man die Erscheinung der Umwandlung
kinetischer Energie in Wärmeenergie. Um das Objekt bildet sich eine
Hülle aus ionisiertem Gas und ein Plasmaschweif, an Hand dessen
zum Beispiel der Gefechtskopf einer Rakete geortet werden kann. Um
die Funkmaßortung des Gefechtskopfes zu erschweren, ist man be-
müht, durch Formänderung die ionisierte Hülle zu verringern und
durch spezielle Materialien die Wärmestrahlung beim Eintritt in dichtere
Atmosphärenschichten herabzusetzen. Man versucht sogar, die
sich bildenden Ionen durch entgegengesetzt geladene Gasteilchen zu
neutralisieren. In den USA ist man aber auch gleichzeitig bemüht,
die ionisierte Hülle und den Plasmaschweif von Scheinzielen durch
zusätzliches Einführen von pyrotechnischen Mischungen oder ionisierenden
Metalldämpfen noch zu verstärken. Das setzt die Effektivität
der Reflexion elektromagnetischer Wellen von den Gefechtsköpfen
im Verhältnis zu den scheinziellen herab und erschwert die genaue
Bestimmung der Gefechtsköpfe.
Außer den aufgezählten Methoden zur Unterdrückung von funktechnischen
Mitteln der Raketenabwehr entwickeln Spezialisten in
den USA manövrierfähige und mit mehreren Ladungen versehene
Gefechtsköpfe von Raketen. Solche Gefechtsköpfe enthalten auch eine
große Anzahl Scheinziele.
Für die Unterdrückung funktechnischer Systeme der Raketenabwehr
plant man in ausländischen Armeen den Einsatz von Kernwaffen
in großen Höhen und Raketen mit Selbstlenk-Gefechtsköpfen
gegen Funkmeßstationen der Raketenabwehr. In den USA entwickelt
man zum Beispiel eine Antifunkmeßrakete, die mit einer Selbstlenkeinrichtung
und einem Störsender ausgerüstet ist.
Um die Wellenlänge der zu vernichtenden Funkmeßstationen zu
bestimmen, wird in der Rakete ein Empfänger eingebaut. Man prüft
auch die Möglichkeit des Einsatzes der Polaris-Rakete von U-Booten
aus als Antifunkmeßrakete.
Unter Beachtung der Möglichkeit, daß Mittel der Funkgegenwirkung
dazu dienen können, die Raketenabwehr zu überwinden, ging
man im Ausland in den letzten Jahren dazu über, Methoden und Mittel
des Schutzes funktechnischer Geräte der Raketenabwehr vor der
Funkgegenwirkung zu entwickeln. Im einzelnen plant man, in die
Auffassungskomplexe der amerikanischen Raketenabwehr spezielle
Funkmeßstationen einzuführen, deren Aufgabe unter anderem auch
darin besteht, die Gefechtsköpfe der Raketen von Scheinzielen zu
unterscheiden. Das Unterscheiden gründet sich darauf, daß die reflektierten
Signale von den Gefechtsköpfen und von den Scheinzielen
unterschiedlich sind. Außerdem beobachtet man die Erscheinungen,
die beim Eintauchen der verschiedenen Objekte in die Atmosphäre
vor sich gehen. Man selektiert darüber hinaus die Flugbahnwerte, wie
Geschwindigkeit und andere Parameter.
Die Struktur reflektierter Signale von Zielen ist von ihrer Form,
den geometrischen Abmessungen und der Bewegungsdynamik im Ver hältnis
zum Massezentrum abhängig. Reflektierte Signale von Gefechtsköpfen
und von Scheinzielen unterscheidet man nach der Pola-
risations- und Spektralstruktur und nach der Frequenzverschiebung,
die durch den Dopplereffekt entsteht.
Die Selektion der Gefechtsköpfe aus mehreren Scheinzielen an
Hand der Erscheinungen, die beim Eintauchen in die dichteren Schichten
der Atmosphäre entstehen, gründet sich auf das unterschiedliche
Energiepotential, das von dem Gefechtskopf und von den Scheinzielen
reflektiert wird. Die Selektion nach der Geschwindigkeit der Objekte
ist möglich, da die leichten Scheinziele beim Eintauchen in die dichten
Schichten der Atmosphäre stärker abgebremst werden als der
Gefechtskopf und hinter ihm zurückbleiben. Der Grad der Abbremsung
in der Atmosphäre hängt ab von der Masse und dem Querschnitt
des Objekts. Die Signale von Gefechtsköpfen und von Scheinzielen,
die die Funkmeßstation aufnimmt, werden in einen Elektronenrechner
eingegeben, der sie mit vorher eingegebenen Informationen verschiedener
Ziele vergleicht. Der Elektronenrechner unterscheidet die
Ziele, die die Funkmeßstation aufgefaßt hat, und bestimmt aus den
aufgefaßten Zielen die Gefechtsköpfe von Raketen.

Literatur
[1] Drushinina, IV. W. : Handbuch der Grundlagen der Funkmeßtechnik, Wojenisdat, Moskau 1967
[2] ...                : Mittel zur Überwindung der Raketenabwehr, Space/Acronautics, Nr. 11, 1964
[3] Anwejew, I. I.     : Waffen der Raketen- und kosmischen Abwehr, Wojenisdat, Moskau 1971