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T-310/50 ARGON - ADRIA BStU*1, *78, *166, *219, *233, *240, *346
T-310 mit BT und BTZ
Abb.: T-310/50 mit BT und BTZ
NVA Ausstellung Harnekop
Kurzcharakteristik:

Das Gerät T-310 ist ein elektronisches Kanalchiffriergerät mit
internem Schlüssel, das als Zusatzgerät für Fernschreib-
Endplätze eingesetzt wird.

Das Gerätesystem T-310 besteht aus GG  Grundgerät
                                        SV  Stromversorgungsgerät
                                        BT  Bedienteil
                      je nach Variante  BTZ Bedienteilzusatz

Zusatzgeräte: Fernschreibmaschine FSM T 51, T 53 mit Anbaulocher T 52,
                   Lochstreifensender  LS T 53/4, T 53/5, T 53/6, T 53/7,
                   Fernschaltgerät     FSG T 57/4, T 57/8

Taktisch-technische Daten:
 Abmaße:
 GG     700 x 650 x 420 mm  64 kg
 SV     700 x 400 x 400 mm  53 kg
 BT/BTZ 256 x 157 x 280 mm   5 kg

 Netzdaten
 Netzspannung           220 V ± 10 - 15 %
 Netzfrequenz            50 Hz ± 3 %
 Leistungsaufnahme      200 VA (SV mit GG)
                         20 VA (BT/BTZ)
 zulässiger Netzausfall  20 ms

 Übertragungsgeschwindigkeit 50 und 100 Baud (umschaltbar)
 Zulässige Einsatzzeit       Dauerbetrieb
 Einsatzgrundsätze           vorgesehen für stationären und
                             mobilen Einsatz während Transport
                             keine Arbeit möglich

Einsatzebenen:
Zentrale Führungsbereiche
MfS bis KD
NVA bis WKK
MdI bis VPKA
zivile Organe bis RdK
ausgewählte Kombinate

Schlüsselmittel:

Langzeitschlüssel LZS
- ist in Form von Steckkarten im Gerät realisiert,
- sein Wechsel wird nur bei Notwendigkeit (z.B. Kompro-
  mittierung) grundsätzlich durch Kräfte der zuständigen
  Abteilung XI vorgenommen,
- im ZCO lagen für den sofortigen Tausch 400 neue Langzeit-
  schlüssel bereit.

Zeitschlüssel ZS
- Verwendung von Lochkarten
  Typ 758  Zusammenwirken Zentraler Führungsebene
  1 Kenngruppenblatt mit 14 Kenngruppen und 14 Lochkarten,
  Typ 796  in BEL/KEL und innerhalb der Organe
  1 Kenngruppenblatt mit 5 Kenngruppen und 5 Lochkarten,
- hat eine Gültigkeit von einer Woche (für Vorserien-
  geräte - Einsatzjahr 1982 - wurde im Jahr 1982 täglich
  der Schlüsselwechsel durchgeführt).

Kontroll- und Prüfschlüssel
- Verwendung von Lochkarten
  Typ 821  in allen Instandsetzungseinrichtungen,
  mit 10 Lochkarten.

Spruchschlüssel SpS
- wird intern im Gerät gebildet
=====
Das Chiffriergerät ist auf der Grundlage logischen Grundgatter,
Flip-Flops, und Schieberegister in TTL Technik realisiert.
Hauptauftragnehmer ist das Kombinat EAW, der VEB Steremat Berlin Hermann Schlimme.
Im Produktionsbetrieb VEB Steremat Strausberg erfolgte die Produktion der T-310.
Die Serienproduktion ist aus der Entwicklungsstufe T-310 PUMA her-
vorgegangen. Es ist das Nachfolgergerät der SKS Ⅴ/1 und es arbeitet
mit dem bereits im SKS Ⅴ/1 getesteten Chiffrieralgorithmus ALPHA.
T-310/50 Simulator

Abb.: T-310/50 Simulationssoftware

Chronologie der T-310
Von 1984 bis 1986 gab es 290 Instandsetzungen, von ca. 1400 ausgelieferten Geräten.

In den Bezeichnungen der T-310/50 gab es
1989 folgende Varianten bzw. Festlegungen:
ARGON-F= Fs-Modem; T-310/50 an das Fs-Modem angebunden
ARGON-E= eFSM; elektronische Fernschreibmaschine
ARGON-VU1 ... VU3= V.24 Umsetzer in den Varianten 1 ... 4
ARGON-R= RFZL
ARGON-PC= Z1013 mit Fs-Modem an einer T-310/50
ADRIA, ab 1990 als kommerzielle Version
ARGON/ADRIA V1Konfiguration mit F1300 oder F2001 Fernschreibmaschine, 100 Bd
ARGON/ADRIA V2Konfiguration mit PC zur Steuerung und Nutzung der Fernschreibmaschinen als Drucker
ARGON/ADRIA V3Konfiguration mit PC und Paralleldrucker
ARGON/ADRIA V4Konfiguration mit PC und Paralleldrucker,
das FSG wird durch Softwarelösung des PC ersetzt

Die Schlüsselkarte und der Langzeitschlüssel wurde vom Komplex SKS Ⅴ/1
weitestgehend übernommen.

Das Verfahren zum Einlesen des Zeitschlüssel wurde vereinfacht durch Lochkarten.
Intern wird zu den fünf Bit des Fernschreibcodes ein sechstes Bit angehängt.
Dieses sechste Bit ist ein Bit das definiert ist als ungerade Anzahl der
gesetzten fünf Bits (ODD-Parity Bit). Dieses dient der fortlaufenden prophylaktischen
Überprüfung des Gerätes.
Vom Klartext, Geheimtext und den Additionsgruppen wird intern immer die
ungerade Parität geprüft. Tritt ein Parityfehler auf, geht
die T-310 sofort in Störung und es kann nicht mehr mit dem Gerät
gearbeitet werden. Hauptsächlich dient das der Chiffriersicherheit
und hat nichts mit dem im DES Verfahren beschriebenen Parity gemein.
Die Anzahl der Bits auf der Schlüsselkarte muß auch ungerade sein.

Der Prüfrechner PR-310/2 basiert auf dem Rechnersystem K1520.
Dieser diente nur zu Instandsetzungszwecken für die T-310/50.
Es wurde mittels 2 Steckkarten, mit der T-310/50, verbunden.

Der VEB Steremat Berlin Hermann Schlimme wird als Produzent des PR-310 aber auch der T-310/50 genannt, die auch die SKS Ⅴ/1 produzierte. Die T-310 diente auch als Ersatz für die instandsetzungsintensive polnische TgS-1/TgS-1M DUDEK bzw. T-352/T-353 . Die durch polnische Kryptologen festgestellte starke elektromagnetische Abstrahlung der Klartexte war zwingender Grund für den Ersatz der T-353. 1975 wurde die Entscheidung getroffen nach dem Bau und Entwicklung der SKS Ⅴ/1 die T-310/50 zu produzieren. Ab 1980 gingen die Geräte in Betrieb. Erste ständige Verbindungen mit täglichen Schlüsselwechsel wurde ab 1986 beim MfS durchgeführt. In folgenden Ebenen der DDR wurden diese betrieben: BStU*1
Vollständige Liste der Anwender sowie Organigramm der Chiffrierverbindungen
Abnahmeprotokoll der Chiffrierstelle Rathaus Pankow mit einer T-310/50.

Zur Datenchiffrierung wurde die T-310/51 SAGA verwendet.
Die T-310/51 ist aus den eingelagerten Vorserienmodell der T-310/50 realisiert worden.

Eine T-310/50 Nachrichtenverbindung wurde in dem Wendejahr 1989/90
mit der Bundeswehrführung in Bonn betrieben.
Desweiteren hatte in diesem Zeitraum das Ministerium des Inneren
mit dem Innenministerium der BRD eine T-310/50 Chiffrierverbindung.

Ein Nachfolgegerät Typ T-317 war 1982 schon in Planung, in denen
bekannte Fehler und Erweiterungen berücksichtigt werden sollten.
Auch die T-319 ist ein Nachfolgegerät.

Die Untersuchung zur Kompromittierenden Elektro Magnetischen Abstrahlung KEMA,
und der KOMpromittierende Abstrahlung KOMA, wurde durch das Institut für
Regelungstechnik IfR sowie im VEB Kombinat EAW Berlin Sektor C durchgeführt.
Bei der KOMA werden die akustischen, optischen, elektrischen-, magnetischen
und elektro-magnetischen Abstrahlungen sowie die auftretenden Strom- und Spannungs-
schwankungen des Stromversorgungsnetzes ermittelt. Während bei der KEMA nur die
elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Felder betrachtet werden.

Im Ergebnis dieser Untersuchung wurde festgelegt das in Zusammenarbeit mit
den elektromechanischen Fernschreibmaschinen keine Einschränkungen notwendig
sind. Die auftretende Abstrahlung ist nicht relevant.
In Zusammenarbeit mit der F-1100 wurde festgelegt das diese bei 50 Baud
uneingeschränkt und bei 100 Baud nur in Schutzbauwerken verwendet werden
dürfen. Die F-1100 strahlt bei 100 Baud in einem unzulässigen Maße.
Die F-1300 ist abstrahlungsgemindert, es gilt auch hier die Festlegungen der F-1100.
Durch die F-3000 sollte der Zustand geändert werden.
Messungen der Abstrahlung erfolgte auch durch die Abteilung III des MfS z.B.
durch Überfliegen des Nachrichtentrupps. Siehe V. Liebscher RELAIS.

Die Abstrahlung der T-310 hat einen hohen Abstrahlungsschutz wenn die Normen- und Dienst-
vorschriften eingehalten werden. Anderslautende Informationen sind schlichtweg falsch.
Erwähnt werden muß aber auch das es in Gera zur Störung des Fernsehempfanges
in einem Wohngebiet nahe der BVfS kam. Ermittelt wurde das in einer T-310/50 im BTZ ein
Kondensator nicht vorhanden war. Aufgrund dieses fehlenden Kondensators kam es in der
seriellen Kommunikation zwischen dem BTZ und der T-310/50 zu parasitären Schwingungen.

Die T-310/50 wurde am 25.07.1990 im DDR Fernsehen als »Abhörstation« im Roten Rathaus
bezeichnet, es war aber nur eine Chiffrierstelle.
Leider sind die MAZ-Aufzeichnungen nicht erhalten geblieben.
Im Online-Foroarchiv des Bundesarchiv ist ein Pressefoto erhalten.
In den Archiven des ND, der BZ und der NZ sind noch Mitteilungen erhalten geblieben,
26. bis 28.07.1990. (Staatsbibliothek)
Dazu heißt es:
Politischer Skandal geplatzt - Der Marzahner Bürgermeister Andreas Röhl (SPD)
in einer der vermeintlichen Abhöranlagen der ehemaligen Stasi, bei denen es sich in
Wirklichkeit um offizielle Chiffirierabteilungen des Berliner Magistrats handelt.
Berlins Innenstadtrat Thmas Kröger (SPD), der am 25.7. die Enttarnung" von Geheimbüros
in Berliner Rathäusern als einen Politischen Skandal ohnegleichen bezeichnet hatte,
war bereits seit ende Mai über diese Chiffrieranlagen informiert gewesen.
In diese Schlamschlacht zerfetzten sich die DDR Politker, Hr. de Maiziere - Diestel - Krüger - Röhl.
Der Westberliner Senat ließ den Magistratsvertretern mitteilen das sie ebenfalls über
Chiffrierstellen verfüge.

Die T-310/50 dient zum Direktchiffrieren oder Vorchiffrieren von Fernschreiben,
über Wahl-, Stand- und Funkverbindung. 50 Baud oder 100 Baud

Das Gerät arbeitete mit einem symmetrischen Verschlüsselungsverfahren mit einem
Schlüssel der Länge von 240 bit. Und somit ist dieses Gerät seiner Zeit weit
voraus.

Der Schlüsselwechsel (Zeitschlüssel) ist wöchentlich durchzuführen.
Der Spruchschlüssel, der bei einem Verbindungsaufbau automatisch erzeugt wird, der
länger als 1 Stunde besteht muß neu initialisiert werden.

Im ersten Testmuster der T-310 wurde die Synchronfolge (Spruchschlüssel) erzeugt durch
die Zeit- Impulsflanken der Zeitschlüsseleinheit (UWP), die gebildet wird durch das
herausziehen der Schlüsselkarte. Nach längeren Untersuchung war man zu dem Schluß
gekommen das diese Art der Bildung der Synchronfolgen häufige Wiederholungen erzeugte,
das das Chiffrierverfahren unsicher gestaltete da phasengleiche Sprüche somit erzeugt wurden.
Es wurde daraufhin ein Rauschgenerator entwickelt der die Synchronfolgen mit höherer
Sicherheit, d. h. keine identischen Synchronfolgen, produzierte.
Die Testmuster wurde später für die T-310/51 SAGA mit den genannten Mängeln genutzt.

Die T-310/50 hatte einen Mithörmodus in der das Gerät selbständig in den
Dechiffriermodus gehen kann.
Das wurde genutzt in abgesetzte Fernschreibstellen ohne Bedienpersonal.
Damit verschlüsselte Fernschreiben automatisch entschlüsselt und ausgedruckt werden.
Und es diente der Signalisation für den Chiffreur / Fernschreiber das eine Anwahl erfolgte
und dieser die Möglichkeit hatte direkt Online zu gehen.

Es wurden auf Führungsfahrzeugen die T-310/50 mit der F-1300 betrieben.